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Gombe (BMG, 1998) |
Hubert von Goisern & Mohamed Mounir unterwegs:
02.07.03 Mülheim/Ruhr, Ringlokschuppen |
Hubert von Goisern zum Anschauen:
Iwasig (Konzert-DVD; BMG/Lawine, 2003) |
Bitta kocht gern. Während sie mit der Handkamera jeder Bewegung Hubert von Goiserns folgt, auf die Musiker schwenkt und dann wieder aufs Publikum zielt, stellt sich weit hinten im Publikum, hier in Ouagadougou, Burkina Faso, mittendrin in Afrika, die Frage nach dem Rezept des deutschen Filmteams Bitta Börger und Oliver Bauer: Wie viel vom Süßen, Sauren, Pikanten, Salzigen, Bitteren und Prickelnden lagert im Filmmaterial? Was wird fallen in der Hexenküche Schneideraum? Fragen von damals, vor fast einem Jahr, die Antwort liegt erst jetzt vor, in Form von zwei DVDs, die gerade eben auf den Markt gekommen sind. Sie rufen Erinnerungen wach, an eine Reise, auf die es mehr als nur eine Antwort gibt. Die Magie der Filmkamera macht's möglich. Auf den Reise-DVDs von Hubert von Goisern lebt sein Afrika-Besuch wieder auf. Aber nicht nur dadurch, denn die Reise geht weiter.
Von Annelies Pichler
Zuerst erschien alles so unkoordiniert. Da stellt der Hubert
aus eigener Tasche eine Konzert-Reise nach Afrika zusammen, nur, weil er
dort gerne musizieren möchte und man kann sich nicht vorstellen, was
das bringen soll. Und jetzt kommen die Antworten tatsächlich,
begeistert sich Manager Hage Hein.
Sehr deutlich fällt die von Mohamed Mounir
aus: Der ägyptische Star und der österreichische gehen diesem Sommer
gemeinsam auf Tournee. Sie verbindet nicht nur die Vorliebe für saloppe
Kleidung. Während der Österreicher unbeirrbar gegen Bretter vor
alpinen und flachländlerischen Köpfen hämmert, um den Gedanken
dahinter zu mehr Weite zu verhelfen, sagt der Ägypter: Es ist
dieser Kampf gegen starre Gedanken, der etwas aus einem macht.
Der Ägypter kommt aus Nubien, und gehört damit zu jenem Volk Ägyptens, das gezwungen wurde, sein Gebiet zu verlassen, damit 1973 der Staudamm von Assuan gebaut werden konnte. Ein Thema, über das er nicht gerne spricht, auch wenn er sonst keine Scheu hat, sich zu artikulieren. Und gerade jetzt bleibt er oft unverstanden, in seinem Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus und seinem gleichzeitigem Bekenntnis zur lebendigen islamischen Kultur und Lebensart.
Vor 17.000 Menschen standen Mohamed Mounir und Hubert von Goisern voriges
Jahr in der ägyptischen Fundamentalistenhochburg Assiut auf der Bühne.
Dort hab' i dermaßen weiche Knie g'habt. Die Leut' haben in
Sprachchören arabische Sachen g'schrien und i hab net gwusst, was des
is. Schlagstöck sind eing'setzt word'n, um sie in Zaum zu halten, und
nervöse Leut' sind mit MG's herumg'standen, schauderte es den
Österreicher. Als die Spannung zu zerreißen drohte, geschah das
völlig
Unerwartete. Die Exekutivkräfte wurden
zurückgepfiffen. Plötzlich waren da überall Menschen,
aber in respektvollem Abstand, so dass man musizieren kann. Nichts ist passiert.
Ich war beschämt, diese Leute haben wirklich auch das Militär und
die Polizei beschämt. Es gibt ja welche, die glauben, nur so lang ma
alles unter Kontrolle hat, funktioniert's, sonst setzt das Chaos ein. Das
Gegenteil ist der Fall. Hubert von Goisern, der Mann mit der
Safranhose, zöge seinen Hut, so er einen zur Hand hätte.
So aber hat er dieses lässige rote Tücherl am Kopf. Aber wenn der
Ägypter und der Österreicher Musik machen, ist es vorbei mit jeder
Kopflastigkeit. Iwasig, also überdrüber
nannte der Österreicher auch seine jüngste CD. Und schon in Assiut
ist das Filmteam ganz Auge, Ohr und Speichermedium. Fünf Wochen später
sollte es alles im Kasten haben. Nach einer Reise durch die Kapverden, Senegal
und Burkina Faso mit Musikern auf der Suche nach Zusammenklang.
Rückblende: Es ist der Tag vor der Heimreise nach drei Wochen Afrika.
Die Kapverden,
Beginn einer Reise in die trügerische
Langsamkeit Afrikas. Verlorene Inseln vor der Westküste, Schönheiten,
denen die portugiesischen Kolonisatoren einst Bewohner aufgezwungen haben,
um Sklaven zu verschiffen. Wer hier lebt, träumt von anderswo. Die Inseln
halten Menschen knapp: kaum Wasser, wenig Vegetation und das raue Meer verweigert
sich selbst den Fischern. In der Musik aber liegt die Leichtigkeit derer,
die nichts zu verlieren haben.
Schneller Schnitt. Und Jodler. Schüler der Landschule, einem Vorzeigeprojekt der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, starren Hubert von Goisern an. Höflich wehren sich die Kinder loszuprusten. Wie aber? Bei den Tönen, die dem weißen Mann da aus der Kehle purzeln? Keine Chance, schon schlägt dem Exoten das Kichern entgegen. Und Sympathie.
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