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Tipp für Internet-Surfer![]() |
![]() "Singles Anthology 1955 - 1667" (Castle/Sanctuary, 2003) |
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Chas McDevitt: |
Je häufiger wir Abschied nehmen müssen von den Pionieren des Pop, ihren Wegbereitern und Wegbegleitern von der Mitte des 20. Jahrhunderts an, desto häufiger macht man diese Erfahrung: Erst erscheint die Todesmeldung irgendwo in der "Leute"-Rubrik oder versteckt im Feuilleton, dann das obligate Yesterday-Flashback in einer kleinen Radioreminiszenz. Wer Glück hat und die wenigen Programmnischen kennt, bekommt auch noch das Special der ausgewiesenen Kenner der Szenerie mit, Götz Alsmann oder Werner Voss. Dann aber ab in die Annalen und das jeweilige Archivregal, bis im Ritual später vielleicht die Reprise auf einem Oldie-Sampler folgt.
Von Hans Peter Mensing
Ganz anders liegen die Dinge bei Lonnie Donegan. Als der "King of Skiffle" am 3. November 2002 im Alter von 71 Jahren starb, war er so präsent wie eh und je: In den großen Konzertsälen - er erlag seinem Herzleiden während einer weiteren Englandtournee - ebenso wie im intimen Jazzclub, über alle Äthermedien und zuletzt erneut spektakulär auf CD (mit Van Morrison und Chris Barber: "Lonnie Donegan & Guests. The Skiffle Sessions - Live in Belfast 1998"). "Lifetime Achievement Awards", erste große Werkausgaben und selbst die Ernennung zum "Member of the Order of the British Empire" (MBE, November 2000) überstand er schadlos und konnten ihm nichts anhaben. Was der Star ohne Allüren bei aller Zuneigung, die er in vielen Jahrzehnten überall fand, Fans und Freunden gerade eben konzediert haben dürfte, sagt einer seiner Songs ganz simpel: "Have A Drink On Me" (1961 zehn Wochen in den Charts; Cheers).
So ist es nur angemessen, und ihn hätte es gefreut, dass Castle Music
und Sanctuary Records jetzt die "Singles Anthology 1955 - 1967" ganz
unprätentiös im schlichten Verbrauchsdesign der
50er Jahre vorlegen und nicht gar so zeremoniell in einer
jener edlen Hochglanzschatullen, die im Revival heute üblich sind (als
modische Abart von Leder-, Dünndruck- und Goldschnitteditionen der
Klassikerliteratur; zum Wegschließen in der Vitrine - lass bloß
die Kinder nicht ran). Mit seinen ewig jungen, elektrisierenden
Starkstromversionen etwa von "Rock Island Line", "Stewball", "Don't You Rock
Me Daddy-O", "Tom Dooley" und ganz besonders "Cumberland Gap" (immer wieder
ein vibrierendes Klang- und Rhythmuswunder, wie aus einer anderen Welt)
hätte Donegan, "the very cornerstone of English Blues and Rock" (Brian
May), das De-Luxe-Format durchaus verdient. Dito natürlich die
legendären Gassenhauer und Music-Hall-Comedy-Kracher "Does Your Chewing
Gum Lose Its Flavour", "My Old Man's A Dustman" oder die 66er-Fussballhymne
"World Cup Wille". Doch findet sich unter den 86 Titeln denn doch zu viel
Dutzendware aus der Hit-Factory; neben den funkelnden, feurigen
Hochkarätern einfache Stückchen aus buntem Glas - auch ganz
hübsch, leuchten jedoch nur für einen Augenblick. Aber selbst diese
Liedchen aus der "Periode des Durchwurstelns" (Stuart Colman), bei denen
sich sein sonst so markantes "teeth gritting" ein bisschen zum schmallippigen
Singsang verzieht, ermuntern zum Mitpfeifen, Mitsummen und Mitträllern.
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