Von Wolfgang Meyering*
![]() |
Kommunikation ist schon eine feine Sache, besonders wenn der Nachbar auf der anderen Seite der Grenze einem nicht gewogen ist und einem aufs Haupt schlagen möchte. Da will man doch gerne Familie und Freunde warnen, damit sie nicht ins Kreuzfeuer geraten. Dieses Problem hatten auch schon unsere germanischen Vorfahren erkannt und entwickelten die Hillebille, ein aus Buchenholz gefertigtes Brett, das an einem Lederriemen aufgehängt wurde und das man mit einem Klöppel zum Klingen brachte. Die Hillebille diente in erster Linie als eine Art Urzeittelefon über weite Strecken, wurde aber wahrscheinlich auch als Rhythmusinstrument eingesetzt. Noch bis ins 20. Jahrhundert konnte man die Hillebille bei den Köhlern in den abgelegenen Gegenden des Harzes hören.
Auch die Txalaparta im Baskenland soll, wie die Hillebille in Deutschland,
zunächst ein Kommunikationsinstrument gewesen sein. In Südeuropa
gibt es verschiedene Traditionen mit xylophonartigen
Instrumenten.
Doch nirgendwo bildete sich ein so eigenständiges Instrument aus wie
die Txalaparta. Sie ist ein sehr archaisches Xylophon oder Stabspiel, wie
man diese Instrumentengruppe auch oft nennt, bei dem der Rhythmus mehr im
Vordergrund steht als die Melodie. Mit der Txalaparta konnte man sich in
den abgelegenen Gegenden des gebirgigen Baskenlands verständigen. Dabei
gab es rhythmische Pattern, die eine bestimmte Bedeutung hatten. Der Duda
Deia beispielsweise war der Aufruf an alle, sich für den Kampf
bereit zu machen. Aber es gab auch weniger kriegerische Signale wie den
Ileta Deia, der den Tod eines Dorfbewohners meldete, oder den
Sagardo Deia, der die Nachbarn einlud, den neuen Cidre zu testen.
Normalerweise wird die Txalaparta von zwei Musikern gespielt, wobei der eine
den Grundrhythmus vorgibt, während der andere den Gegenpart dazu bildet.
Im Allgemeinen stehen sich die beiden Spieler dabei gegenüber, um besser
aufeinander reagieren zu können. Die Txalaparta besteht meist aus zwei
bis drei hölzernen Planken, die früher oft über zwei Bottiche
gelegt wurden (heute verwendet man auch gerne Böcke aus dem Baumarkt,
die sind leichter zu transportieren). Die Spieler stehen und halten in jeder
Hand einen Klöppel. Ungewöhnlich ist dabei, das die Klöppel
nicht wie bei der Marimba waagerecht, sondern senkrecht gehalten werden.
Die dicken Holzklöppel lässt man von oben auf die Planken fallen.
Das Material, auf das geschlagen wird, kann aus unterschiedlichen Holzarten,
aber auch aus Metall
bestehen.
Aus Metall bestehen auch viele xylophonartige Instrumente aus dem Teil der Erde, in dem die Wiege dieser Instrumente vermutet wird; in Südostasien. Die bekanntesten Instrumente sind dabei sicherlich diejenigen der Gamelanorchester in Indonesien. Das Wort Gamelan stammt ursprünglich aus Java und bezeichnete ein einzelnes Instrument, ist aber heute der Begriff für ein Orchester von Schlaginstrumenten allgemein. Ein Gamelanorchester besteht hauptsächlich aus Metallxylophonen, Gongs und Glockenspielen, die mit hammerförmigen Holz-Stößeln gespielt werden. Die Instrumente sind aus Bronze gefertigt und erzeugen einen speziellen, weit tragenden Ton. Zur Anreicherung des Musikvolumens werden die Klangkörper immer paarweise gefertigt und von den Spezialisten in der Metallgießerei mit einem ganz geringen Unterschied gestimmt. Da die Instrumentenpaare immer synchron gespielt werden, entwickelt sich ein reiches Spektrum an Obertönen und Schwebungen. Ein Effekt, wie man ihn etwa bei der Mandoline findet, wo Saitenpaare, minimalst gegeneinander verstimmt, eine Frequenzüberlagerung erzeugen, die das Ohr als wesendlich volleren Klang wahrnimmt. Gamelan-Musik ist eine ausgesprochene Gruppenmusik, ein gut ausgestattetes Orchester arbeitet mit mindestens 20 Spielern.
Von Asien kommend, fanden die xylophonartigen Instrumente auch schnell eine
Heimat in Afrika. Bis heute sind die traditionellen Musiker in nahezu allen
Regionen Afrikas von ihnen fasziniert. Es gibt
ungeheuer
viele Varianten auf dem gesamten Kontinent. Sie heißen Bala, Balafon,
Balo, Kponimbo, Madimba, Kundu, Marimba, Valimba oder Dzil. In ihrer
Größe schwanken sie von Instrumenten mit nur einem Klangstab bis
hin zu über zwanzig Stäben. Zu den bekanntesten gehören wohl
die Timbila, die von den Chopi in Mozambique gespielt wird, und das Balafon
in Westafrika. Das Balafon besteht aus Holz-Klangstäben und Kalebassen,
hohlen Kürbissen, die als Resonanzkörper verwendet werden und in
ihrer Größe dem jeweiligen Ton angepasst sind. In die Kalebassen
werden Löcher gebohrt, über die Spinnweben oder Fledermausflügel
gespannt werden. Heute verwendet man auch Zigarettenpapier. Diese Membran
wird durch den angeschlagenen Ton in Schwingungen versetzt und beginnt zu
surren.
* Wolfgang Meyering ist Mitglied im Programmbeirat des Tanz&Folkfest Rudolstadt und betreut seit vielen Jahren den Instrumentenschwerpunkt des Festivals.
|
|
|
|
!!! |
Folker!
- ...und immer noch: über 40% sparen beim
Folker!-Schnupperabo! |
Mehr über |