backFolker! präsentiert:
DAFT – Das Deutsch-Amerikanische Folksängertreffen 2003

Liedermacher aus Überzeugung

Manfred Maurenbrecher

„Keine falschen Töne, nur falsche Ohren“

Von Michael Kleff

go! www.maurenbrecher.com
www.mittwochsfazit.de
Discographie
Auswahl:

„Trotz & Träume“ (Eigenverlag, 1979)
„Maurenbrecher“ (CBS, 1982)
„Nichts wird sein wie vorher“ (CBS, 1989)
„Das Duo live“ mit Richard Wester
  (Monopol, 1990)
„Kakerlaken“ (Bellaphon, 1996)
„LieblingsSpiele“ (Bellaphon, 1997)
„Weiße Gut“ mit Puls (Conträr Musik, 1999)
„Mittwochsfazit“, Live-CD (Conträr Musik, 2001)
„Hey Du – Nö“ mit Richard Wester
  (Conträr Musik, 2001)
„Gegengift“ (Lamu Records, 2002)

Bibliographie:

„Fast so was wie Liebe“
  (Roman, rororo, 1989)
„Tür zu! Stimmen“
  (Textsammlung, A-Verbal-Verlag, 1991)
„Ballade vom kleinen Doppelleben“
  (Textsammlung, Nora-Verlag, 2000)

Manfred Maurenbrecher unterwegs:

Im Rahmen von DAFT – Deutsch-Amerikanisches
Folksängertreffen (Eric Hansen, Rik Palieri,
Larry Hill, Wilfried Mengs, Sandy Wolfrum,
Manfred Maurenbrecher)

26.06.03 Dresden, Theaterruine (alle)
27.06.03 Berlin, Teehaus im englischen Garten (alle)
28.06.03 Berlin, Harlem (Wolfrum,
  Maurenbrecher, Hill, Hansen)
29.06.03 Plauen, Kapelle Neuensalz (alle)
02.07.03 Hannover, Kanapee, (Maurenbecher, Hill)
06.07.03 Serba, Open Air
  (DAFT und Liedertour) 17.00 Uhr

Die vollständige Terminübersicht der DAFT-Tour
steht unter go! www.daft-tour.com

Das Porträt von Rik Palieri wird gemeinsam mit
einem Rückblick auf die vom Folker! präsentierte
DAFT-Tour in der nächsten Ausgabe erscheinen.

Noch bis zum 6. Juli ist die DAFT-Tour in Deutschland unterwegs. Neben Wilfried Mengs und Sandy Wolfrum ist Manfred Maurenbrecher der dritte deutsche Künstler in der Folksänger-Runde. Eine erste Zusammenstellung von Musik der anderen Beteiligten hatte den Berliner Künstler neugierig gemacht – „Ich kannte ja mal wieder nichts von den Liedern der andern.“ Aber sagt Maurenbrecher, „das Zusammen-Spielen mit Kollegen und Kolleginnen ... warum ist eigentlich keine dabei, ich kann nichts für ... hat mich fast immer froh gemacht und mich gefordert. Jetzt sei er „gespannt auf die akkordischen, groovetechnischen und chemischen Verbindungen, die sich ergeben könnten“. Und auf die Gespräche hinterher natürlich auch, „über Politik und Moral womöglich“. Außerdem will Manfred Maurenbrecher „ein paar netten Leuten“ bei der Gelegenheit auch das Land zeigen – verbunden mit der Hoffnung, „dass man umgekehrt mal hinkommt in die andere Gegend, wo – wie Randy Newman sang – den ganzen Tag Wein getrunken und von Jesus gesungen wird, statt durch den Dschungel zu hetzen und sich die Füße wundzustoßen wie unsereins“. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Folker!-Gespräch erzählt Maurenbrecher, dessen Motto lautet, es gibt „keine falschen Töne, nur falsche Ohren“, von seiner Arbeit als Musiker und Autor sowie von seiner Liebe zum Reisen.

Überspringen wir für unser Gespräch einfach mal Kindheit und Jugend – geboren 1950 in Berlin, Klavierunterricht, Liebe für Gedichte, Cohen, Dylan, Degenhardt, die Studienjahre, erste Songs und erste Auftritte Anfang der 70er Jahre. Steigen wir 1982 in deine Geschichte ein. Du hattest gerade deine Promotion über den Schriftsteller Hans Henny Jahnn abgeschlossen, dann eine mögliche Karriere als Bibliothekar ausgeschlagen und wurdest von Herwig Mitteregger von Spliff in das – so heißt es in deiner Presse-Vita – „Profi-Unterhaltungs-Labyrinth“ eingeschleust. In den 80er Jahren hast du dann mehrere eigene LPs aufgenommen, Rundfunktexte und Songtexte u.a. für Spliff, Veronika Fischer, Hermann van Veen und Renan Demirkan geschrieben. Als was hast du dich damals gesehen? Als „Liedermacher“?

Ich hatte nie was gegen den Begriff. Es gab ja immer Leute, die „Singer/Songwriter“ oder „Chansonier“ vorgezogen haben und die mir auch abgeraten haben, mich Liedermacher zu nennen. Ich fand das immer albern. Es gibt aber eine ganze Menge Leute, denen es peinlich ist, Liedermacher zu sein. Aber ich glaube, es wäre keinem peinlich, Filmemacher zu sein.

Du „machst“ ja schließlich Lieder, oder?

Klar. Es ist ja eine sehr handwerkliche Tätigkeit. Es ist wie alles Künstlerische, 90 Prozent ist Handwerk.

Wie hast du an deinem Handwerk gefeilt? Learning by ...

... by doing. Ja. Auf jeden Fall. Ich habe nie irgendwelche Kurse besucht und könnte es auch nie richtig weitergeben. Zum Beispiel Christof Stählin ist da sehr groß drin. Der sagt, ich lehre das Auftreten auf der Bühne – das könnte ich nicht. Ich wüsste nicht, was ich da zu lehren hätte. Ich kann nur Tipps geben oder so. Ich weiß, dass ich bei manchen Sachen völligen Schiffbruch erlitten habe. Aber ich fand es immer toll, wenn ich mutig genug war, Sachen auszuprobieren.

Fühlst du dich einer bestimmten Gruppe Liedermacher verbunden?

Ich weiß, dass ich mich zu manchen Leuten mehr und zu anderen weniger hingezogen fühle. Ich arbeite ja auch immer sehr gerne mit anderen zusammen. Aber eins kann ich ziemlich deutlich sagen: Mit diesen Leuten, die eigentlich eher Schauspieler sind und sowas wie Liedersingen machen, um sich selbst als Figur darzustellen, mit denen habe ich sehr wenig zu tun.

Wen würdest du da einordnen?

Na zum Beispiel Westernhagen. Finde ich ganz extrem. Schon in der Zeit, wo der gar nicht so bekannt war. Ich habe ihn mal 1983 oder so in Hamburg gesehen mit Herwig Mitteregger zusammen, der fand das ganz gut. Ich fand den Abend furchtbar, dieses publikumsheischende „Ich bin einer von euch“-Gehabe, was der da drauf hatte. Und diese ganzen 18- bis 22-jährigen Jungs, die da bewundernd standen und Marius gebrüllt haben, ich fand das eine unerträgliche Szenerie. Also mit diesen Leuten habe ich überhaupt nichts zu tun, ob die nun Lieder machen oder Filme drehen. Ben Becker ist ein anderes Beispiel. So'ne Gestalten – grauenhaft! Finde ich entsetzlich. Ganz was anderes ist da jemand wie Ulrich Roski. Den hat man vielleicht auch nicht als den klassischen Liedermacher bezeichnen können, aber der hat sein ganzes Leben lang zutiefst komische, so schwarz-komische Sachen beschrieben. Er war verwachsen mit dem, was er machte. Und er war ja sicherlich auch ein Vertreter einer Generation, wo es Humor gab, ohne dass man von Spaßgesellschaft und Spaßkultur reden musste.

Was hast du denn für ein Verhältnis zu den politischen Leuten? Du hast irgendwo einmal gesagt, dass du natürlich politische Inhalte hast, aber dass du keine philosophische Erklärung mit jedem Lied mitlieferst.

Ja. Ja. Genau. Ich hatte da gerade ein paar Gespräche gehabt mit Leuten, die alles immer begründet haben wollen. Warum bist du alleine am Klavier? Welche Philosophie ist dahinter? Und so weiter. Also ich finde nicht, dass man zu allem eine Begründung liefern sollte. Man sollte lieber mehr machen. Und einfach ausprobieren. Dazu habe ich auf meiner aktuellen Platte einen ganzen Aufsatz geschrieben, meine Theorielosigkeit grundsätzlich erklärt.


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Manfred Maurenbrecher
im Folker! 4/2003