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Spätestens seit 1986 Paul Simons Album Graceland
erschien, ist Ladysmith Black Mambazo zum Aushängeschild der Weltmusik
geworden. Über 14 Millionen Mal verkaufte sich das Album in aller Welt. Zu
diesem Zeitpunkt hatte sich Südafrikas bekanntester Zuluchor in der Heimat
schon längst einen exzellenten Ruf ersungen. Jetzt hat der legendäre Chor
den zweiten Grammy Award seiner Karriere abgesahnt: Raise Your Spirit
Higher wurde als bestes Album in der Kategorie „Traditionelle Weltmusik“
ausgezeichnet.
Von Suzanne Cords
Er heißt Begizezue, auf Zulu bedeutet das „Rette dein Volk“. Doch die Welt
kennt ihn als Joseph. Er will, dass man sich seinen Namen leicht einprägen
kann, denn er und sein Chor haben eine Botschaft: die Botschaft von Frieden,
Liebe und Harmonie. 65 Jahre alt ist Joseph Shabalala, aber er denkt nicht
daran, sich zur Ruhe zu setzen. Nicht, solange nachts Geisterstimmen zu ihm
sprechen und ihm sagen, wie und was er mit seinem Chor Ladysmith Black
Mambazo singen soll. „Ich hatte schon mit vielen Musikern gearbeitet, ich
spielte Gitarre und wir sangen, aber ich war nie ganz mit dem Ergebnis
zufrieden, bis ich im Jahre 1964 diesen Traum hatte“, erzählt der
charismatische Südafrikaner über die Anfangsjahre der A-cappella-Formation.
„Eine Stimme sagte mir, ich solle die Instrumente weglassen und nur Gesang
einsetzen. Dann sang mir ein mysteriöser Chor vor, und es klang einfach
unglaublich perfekt, es hat mich zu Tränen gerührt. Am Tag darauf habe ich
dann mit meinen Jungens geübt, um es genau so hinzubekommen, aber ich sage
Ihnen, das war verdammt hart. Es hat Jahre gedauert, einige Sänger gaben
auf, und erst 1969 hatte ich endlich die richtige Truppe zusammengestellt:
meine Familie.“
Zunächst glaubte Joseph Shabalala nicht an die geheimnisvollen Stimmen, die ihn bis heute fast jede Nacht aufsuchen. Mittlerweile vermutet er, dass es seine Vorfahren sind, die ihm den Weg zu Südafrikas Traditionen weisen. „Ich habe den Chor immer wieder umgestellt und mich genau an die Angaben dieser geheimnisvollen Stimmen gehalten - ein Bass mehr, ein Tenor weniger“, sagt er. „Das Resultat war verblüffend. Die Menschen waren verzaubert, und die alten Leute priesen unseren Gesang. Sie wussten tief in ihrem Herzen, dass er ihre Kultur widerspiegelt, die so lange verloren gegangen war.“
Benannt hat sich der Chor nach der Heimatstadt des Shabalala-Clans:
Ladysmith, ein kleines Nest etwa 150 km nördlich von Durban. Black
heißt er im Hinblick auf die starken schwarzen Ochsen, die die Männer auf
Südafrikas Farmen führen mussten, und mambazo (das Zuluwort für
„Axt“) gilt als Ausdruck der Wucht im Wettstreit mit anderen Chören. Im
neuen Südafrika ist Ladysmith Black Mambazo ein Stück Nationalgut, denn der
Gesang verkörpert die unterdrückten Traditionen des alten Südafrika.
Isicathamiya heißt der A-cappella-Sound, den die Sänger intonieren:
Diese Art der Musik entstand in den Goldminen Südafrikas. Per Zug wurden
schwarze Arbeiter in entlegene Teile des Landes gekarrt - fernab der Familie
und miserabel bezahlt. Einzige Abwechslung vom tristen Alltag bot der
Gesang, und so vergnügten sich die Männer samstagabends bis zum Morgengrauen
mit selbst erfundenen Liedern. In diesen Nächten entstand auch der
cothoza mfana, der „Zehenspitzen-Gänger“-Tanz, der leise sein musste,
um die Sicherheitsleute der Camps nicht aufmerksam werden zu lassen.
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