im Gespräch mit Piet Pollack
Das
Booklet der Folkförderpreis-CD, diesmal im sommerlichen Orange, beschreibt
ihre Musik so: Sie gehören momentan wohl zum Innovativsten, was
es im Sektor nicht-klassischer Gitarrenmusik in Deutschland zu hören
gibt, urteilte die Mitteldeutsche Zeitung, und die Westfälische Rundschau
berichtet: Die Grundlage ihrer Musik ist ... so klassisch wie ihre Haltung:
gerade und konzentriert. Dazu aber kommt eine coole Prise Jazz, ein feuriger
Schuß Flamenco und heißer Latin, gemixt mit fernöstlicher
Folklore.
Wir hatten die Ausschreibung gesehen und festgestellt, dass die sich nicht nur an Amateure richtet. Es gab keine Altersbegrenzung, und sie war für den Gitarrenbereich offen, gerade für unseren Stilmix. Alle Anforderungen waren erfüllt. Wir haben erst im Nachhinein mitgekriegt, wie unsicher sich der Ausrichter selbst über Modalitäten ist und diese ganze Diskussion.
Für uns war wichtig, in Rudolstadt zu spielen. Wir wissen, dass das Festival einen sehr guten Ruf hat. Es gilt als sehr vielschichtig und professionell organisiert. Es ist ein Festival, wo nicht nur eine Richtung präsentiert wird, also nur Folk oder nur Jazz. Wir wollten das miterleben, und ich denke, wir gehören da schon als Randerscheinung mit rein.
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Ich würde den Preis anders ausschreiben. Da müssen eben Einschränkungen rein, knallharte Altersbegrenzungen, um die Profis rauszuhalten.
Wir finden keinen Kurzbegriff, der es genau
beschreibt. Es gibt spanische und lateinamerikanische Einflüsse, Elemente
von Jazz und Klassik. Wir spielen ja nur unsere eigenen Kompositionen. Es
ist eine Mischung, wo jedes Stück in eine andere Richtung tendiert.
Es gibt auch orientalische und asiatische Einflüsse. Wir haben auch
nicht klassische Gitarre an der Hochschule studiert, sondern Jazz und Tanzmusik.
Die anderen Klänge sind durch unsere Beschäftigung mit Musik
dazugekommen, wir hören Flamenco oder brasilianische
Musik. In fast jedem Stück sind auch
Improvisationsteile, als Elemente aus dem Jazzbereich. Wobei einer oder auch
alle beide improvisieren; es gibt freie Teile, wo wir selbst
nicht wissen, was herauskommt. Die Kompositionen sind aber ausgeschrieben,
es gibt Notenhefte dazu. Die Stücke sind schon klar strukturiert und
sehr dicht geschrieben.
Das gehört zu lateinamerikanischer und
spanischer Musik einfach dazu. Sie lebt auch von percussiven Elementen. Es
gibt eine Trio-Variante, wo wir unsere eigenen Kompositionen für drei
Musiker arrangiert haben. Durch den Percussionisten kommt eine andere
Färbung in die Musik rein. Das Duo ist kammermusikalischer, das Trio
ist grooviger und kompakter. Die Bewegung in der Musik geht im Trio etwas
verloren, dadurch gewinnt sie aber an Kraft. Ein paar Sachen machen wir im
Duo per Elektronik selber, additiv zur Gitarrenmusik,
im Trio übernimmt das der Percussionist. Dieser ist dann nicht Begleiter,
sondern eigenständiger Musiker. Es gibt Strecken, wo er im Vordergrund
steht. Wobei diese Percussion durchdacht und Teil unseres Konzepts ist.
Unser Spezielles ist wahrscheinlich die Vielfalt. Wir gehen stilistisch mit sehr unterschiedlichen Bereichen um und versuchen, neue Dinge für uns zu entwickeln. Wir spielen also kein Standard-Flamenco-Repertoire, sondern Flamenco ist Teil unserer Musik. Selbst bei super-guten Leuten können anderthalb Stunden eines Stils zu viel sein. Wir wollen bewusst unterschiedliche Facetten zeigen. Viele andere Duos könnten das mit geringem Aufwand sicherlich auch. Wir schauen immer: Was könnte man noch machen? Ohne uns auf kommerzielle Dinge stürzen zu müssen, solcher Schnickschnack muss nicht ins Programm. Das kann schon ein kleines Percussionsinstrument sein, dass einen anderen Klang bringt als ständig nur 2 Gitarren. Das hat eine enorme Wirkung manchmal.
Unsere Herangehensweise an die Erarbeitung der Stücke ist auch unterschiedlich. Wir schreiben beide für das Duo. Silvio ist etwas ruhiger, melodiöser und romantischer. Jörg ist kraftvoller, expressiver, rhythmischer, mehr in Richtung Flamenco. Wobei jeder Melodie spielt bzw. begleitet, das hängt jeweils vom Stück ab.
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