Von Michael Tiefensee
Er hat die Welt gesehen. Und die Welt ihn. Ganz gleich, ob in Japan, in Toronto, in Australien oder sonstwo. Er war überall, auch in Norderstedt bei Hamburg, zum Beispiel. Dort gab er im Frühjahr vor glücklichen Menschen an drei Abenden rare Konzerte.
Eric
Andersen gilt Insidern als Inbegriff traditionellen amerikanischen Songwritings,
als jemand, der die »road songs« nur so aus dem Ärmel zu
schütteln bzw. sich von der Seele zu schreiben weiß. Nur
wem nutzt dieses Insiderwissen, wenn man trotz beständig guter Kritiken
in renommierten internationalen Zeitungen und Magazinen immer noch nicht
oben angekommen ist. Wie beispielsweise der große Bruder, Bob Dylan
in diesem Fall. Oder die große Schwester, in diesem Fall: Joni
Mitchell.
Solche Fragen stellt sich Andersen heute längst nicht mehr, nach über 30 Jahren aktiven Musikerdaseins. Dylan und Mitchell mit beiden verbindet Andersen eine lange Geschichte. Beide sind, wenn man sie auf den auch mit 55 Jahren auf Frauen immer noch erstaunlich attraktiv wirkenden, meist in schwarz gekleideten Songwriter anspricht, voll des Lobes. Dazu haben auch sie allen Grund, denn
![]() Eine Auswahl:
1965: »Today is the highway«
(Vanguard) |
Dabei fing Andersens Entwicklung bestens an: 1943
in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren, begegnete er bereits als Jugendlicher
den wegweisenden Poeten der Beat Generation, Allen Ginsberg und Neal Cassady.
Schon 1963 entdeckte Tom Paxton den jungen Songwriter bei einem Auftritt,
was dazu führte, daß Andersen von ihm in die New Yorker Folkszene
eingeführt wurde. Hier traf er Bob Dylan, mit dem er entgegen
Gerüchten, die beiden seien nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen
bis heute ebenso befreundet ist wie mit Leonard Cohen. Und er traf
Phil Ochs, dessen »When I`m gone« kürzlich von Andersen sowohl
für ein Ochs-Tribute-Album als auch für seine eigene neue CD
aufgenommen wurde.
Mehr über Andersen im Folker! 6/98