backTexte zwischen Protest und Humor

Zebda

Jungs aus Toulouse nehmen Dinge selbst in die Hand

go! www.zebda.fr
Discographie

"L'arène des rumeurs" (Nord Sud, 1992)
"Le bruit et l'odeur" (Barclay, 1995)
"Essence Ordinaire" (Barclay, 1998)
"Utopie d'occase" (Barclay, 2002)

Viele Bands entdecken ihre politische Verantwortung erst, wenn sie bereits berühmt geworden sind und ihre Meinung plötzlich in der Öffentlichkeit zu zählen beginnt. Zebdas Geschichte verlief ganz anders. Lange bevor es die Band überhaupt gab, waren die späteren Bandmitglieder Magyd, Mouss und Hakim in ihrem Viertel in der südfranzösischen Stadt Toulouse politisch aktiv. Mitte der 80er Jahre arbeiteten sie im Verein Vitécri (phonetisch: "schnell geschrieben"), um den Jugendlichen aus den nördlichen Vororten Nachhilfe für die Schule zu geben und ihnen generell bessere Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen. Zu dieser Zeit spielten vor allem Videos in soziokulturellen und politischen Kreisen eine bedeutende Rolle. Vitécri produzierte den Film "Salah, Malik, Beurs", in dem die Mitglieder der zukünftigen Band Zebda zum ersten Mal zusammenspielten und der von den Startschwierigkeiten einer jungen Rockband erzählt. Der Film fand große Anerkennung und half damit dem Verein, seinen Wirkungskreis deutlich zu erweitern. Zedba blieb keine Fiktion, Magyd und seine Kumpel entdeckten ihre Leidenschaft für die Musik und begannen, sich auf den Bühnen in und um Toulouse zu präsentieren.

Von Anne Sasson

1981 - wir befinden uns im Frankreich des neugewählten sozialistischen Präsidenten François Mitterrand, der nach 23 Jahren konservativer Regierung einen frischen Wind durch das Land wehen lässt. Eine wichtige Bevölkerungsgruppe erscheint verstärkt auf der politischen Bildfläche, es sind die Söhne und Töchter der "Gastarbeiter", meist nordafrikanischer ZebdaHerkunft, junge Leute, die in Frankreich geboren wurden und dort zur Schule gegangen sind, aber dennoch "anders" sind. Sie selbst nennen sich "Beurs" ("Arabes" in der Jugendsprache Verlan). Im Jahre 1983 finden umfangreiche Proteste und Kundgebungen statt, bei denen mehr als 200.000 Beurs von Marseille über Lyon nach Paris marschieren und schließlich beim französischen Präsidenten einige wichtigen Reformen durchsetzen. Vitécri und Zebda (übrigens: Beurs wird genauso ausgesprochen wie "Beurre", auf Französisch "Butter", auf Arabisch "Zebda") sind von Anfang an dabei. Natürlich unterstützen sie auch den Verein S.O.S. Racisme und dessen Kampagne "Touche pas à mon pote": Eine erhobene, bunte Hand, auf der "Rühr' meinen Kumpel nicht an" steht, die von Millionen Menschen als Zeichen einer offenen und multikulturellen Gesellschaft getragen wird. Doch sie distanzieren sich recht schnell von S.O.S. Racisme, inzwischen zur größten europäischen antirassistischen Organisation geworden, da sie eine Verwässerung der Ziele durch die immer bedeutender werdende politische Rolle befürchten.

Neben der politischen Tätigkeit kommt die Musik bei Zebda nicht zu kurz. Sie spielen schon längst nicht mehr ausschließlich in den Clubs ihrer Heimatstadt. Im Jahre 1989 werden sie als "Entdeckung des Jahres" zum Festival "Printemps de Bourges" eingeladen, es folgen unzählige Konzerte in Frankreich, aber auch in Italien und England. Ihre Mischung aus Rock, Rai, Reggae, Ska, Dub, Funk und lustigem Chanson verfeinert sich, hier und da sind nordafrikanische Einflüsse zu hören, die Texte treffen den richtigen Ton zwischen Protest und Humor. Im Jahre 1992 erscheint Zebdas erste CD "L'Arène des Rumeurs". Das Cover zeigt einen jungen Palästinenser, der eine Steinschleuder in der Hand hält, die Stücke beinhalten Samples von Yassir Arafats Reden und von Stimmen, die "Sandinista" rufen. Das Album löst Begeisterung und Entsetzen gleichermaßen aus.

ZebdaHymne gegen Le Pen

Im politischen Leben entwickeln sich Zebdas Mitglieder weiter und wachsen über den Rahmen von Vitécri hinaus. Stets auf der Suche nach der größtmöglichen Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit gründen sie Tactikollektif ("die einzig richtige Taktik ist die kollektive Taktik"). Dort geht es hauptsächlich darum, nicht mehr ganz hautnah am Geschehen zu bleiben, sondern etwas Höhe zu gewinnen und Veranstaltungen zu organisieren oder zu unterstützen, die völlig unsubventioniert bleiben sollen, um deren Unabhängigkeit nicht zu gefährden.


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im Folker! 1/2004