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Oi Va Voi

So cool kann Klezmer sein

go! www.oi-va-voi.com
Discographie

Oi Va Voi:
"Digital folklore"
  (Eigenproduktion, 2002)
"Laughter Through Tears"
  (Outcaste/PIAS, 2003)

Solomon & Socalled:
"HipHopKhasene" (Piranha, 2003)

Nie war die alte Festmusik der osteuropäischen Juden so nahe an Dancefloor und Hitparade. Die Gruppe Oi Va Voi aus London hat vermutlich ein neues Genre erfunden. Doch vielleicht geht auch alles viel zu schnell. Auf ihrem ersten offiziellen Album "Laughter Through Tears" haben sie den Klezmer fast schon wieder hinter sich gelassen.

Von Christian Rath

"Oi Va Voi" ist ein jiddischer Ausruf des Erstaunens, etwa wie "Donnerwetter!". So signalisiert schon der Name der Band, dass hier mit Überraschungen und Ungewohntem zu rechnen ist.

Oi Va VoiÖffentlich stehen vor allem zwei Personen für das sechsköpfige Kollektiv: Die Geigerin Sophie Solomon und der Trompeter Jonathan Walton (Bühnenname: Lemez Lovas). Solomon ist groß, blond, selbstbewusst und sehr stylish. Lovas ist dagegen eher etwas nachdenklicher und trägt oft einen Hut, was zwar etwas nach Shtetl aussieht, aber auch mit seinem lichten Haar zu tun haben könnte. Beide kommen aus jüdischen Familien und studierten zusammen russisch (in Oxford und Moskau). Daher wohl auch das Interesse an Klezmer und osteuropäischer Musik.

"Es gibt etwa 300.000 Juden in England", erzählt Lovas, "doch die jüdische Kultur wurde nach 45 höchstens noch privat gepflegt. Nach außen wollte man einfach normaler Engländer sein und bloß keinen Anlass für Antisemitismus bieten". Auch zur eher bäuerlichen Klezmer-Musik hatten die bürgerlichen englischen Juden wenig Bezug. "Als wir Kids waren, spielte so etwas wie jüdische Musik in unserem Leben überhaupt keine Rolle." Das Klezmer-Revival, das Ende der 70er-Jahre in den USA begann, erreichte England erst rund 15 Jahre später.

Oi Va Voi startete als studentisches Projekt in Oxford. Als sich die heutige Formation herauskristallisierte, zog man gemeinsam nach London. Neben Solomon und Lovas sind noch mit dabei: Steve Levy (Klarinette), Nik Ammar (Gitarre), Leo Bryant (Bass), Josh Breslaw (Drums). Schnell war die Band in der englischen Klezmer-Szene verankert, spielte auch bei jüdischen Hochzeiten - und wollte doch darüber hinaus. "Wir finden Klezmer so toll, dass wir ihn mit allen teilen möchten, wir wollen ihn in die Clubs bringen und an die Spitze der Oi Va VoiCharts", schwärmte Sophie Solomon, als sich Oi Va Voi vor einem Jahr in Essen bei der Weltmusikmesse Womex vorstellte.

Elegant und groovend

"Digital Folklore" hieß die Demo-CD, die sie damals im Gepäck hatten. Elegant und groovend haben Oi Va Voi altes Klezmer- und Osteuropa-Material arrangiert. So etwas gab es vorher noch nicht. So glatt und modern hat man diese eher rauhe und ungehobelte Musik noch nie gehört. Und das alles nur auf einer Demo-CD? Andere Gruppen wären froh, wenn sie jemals ein so originelles und fein produziertes Album hinbekämen. Tatsächlich wurde die CD aber nur an JournalistInnen verteilt Oi Va Voisowie bei Konzerten verkauft. Das aber genügte, dass Oi Va Voi im letzten Jahr bei den BBC-Weltmusik-Awards gleich in zwei Kategorien nominiert wurde.

"Wir sind Sound-Perfektionisten", erklärt Sophie Solomon die Zurückhaltung, "wir waren mit dem Album einfach noch nicht zufrieden". Deshalb unterschrieb die Band zwischenzeitlich einen Vertrag beim mittelgroßen englischen Weltmusik-Label Outcaste. Dieses hatte bisher mit Acts wie Nitin Sawhney oder Badmarsh & Shri den Asian Underground vorangebracht. Außerdem gab es bei Outcaste aber auch Flamenco-Dancefloor, warum dann nicht auch eine cluborientierte Klezmerband? Sophie Solomon wusste genau, was sie von Outcaste erwartete: "Wir brauchen gute Produzenten." Sie sollten der Band helfen, den Sound genau so zu gestalten, wie ihn sich die Sechs vorstellen. Produzenten als gutbezahlte Handlanger - an Selbstbewusstsein mangelt es Oi Va Voi wirklich nicht.


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im Folker! 1/2004