In der Ausgabe September/Oktober 2003 findet Ihr:
"America? No thanks"
go! Die einflussreiche englische Zeitschrift fROOTS fordert zum partiellen Kulturboykott auf

Von Christian Rath
Mari Boine, Deva Premal, Nasrin und Marla Glen singen für den Dalai Lama
go! Women's Voice
Auf der Suche nach authentischer Musik

Von Gudrun Zercher
Folker! präsentiert:
The Men They Couldn't Hang
go! Einfach nicht totzukriegen!
Neues Album, neue Tour, neues Glück?

Von Roland Schmitt
Authentische Worte und Töne
go! Christina Lux
Ein Gefühl von Liebe & Lux

Von Albrecht Pilz

Titel 5/2003

Der Globalisierer
go! Bob Brozman
"Ich helfe weißen Menschen, runterzukommen."

Von Luigi Lauer
Musik aus Hessen und dem Rest Europas
go! Die Hayner
Eine der wichtigsten deutschen Folktanzbands feiert 25-jähriges Jubiläum

Von Christian Rath
Zynismus statt Zionismus
go! Gilad Atzmon
Letzte Ausfahrt: Exil

Von Luigi Lauer
Folker!-Labelporträt (7)
Das (wahrscheinlich) älteste Independent Label der Welt
go! Topic Records
Seine Wurzeln kennen, die Gegenwart verstehen, die Zukunft aufbauen

Von Mike Kamp
Zum Wohle des Folkes
go! Im Zeichen des eisernen Eversteiners
30 Jahre Kultur und zwölf Jahre Folkherbst im Plauener Malzhaus

Von Reinhard "Pfeffi" Ständer
Schottland ist anders
go! Eddi Reader, Robert Burns
und das große Fest in Ayr

Von der wundersamen Wiederentdeckung heimischer Musik

Von Gitti Gülden
"Rhythm Is Love"
go! Keziah Jones
"Blufunk"-Musik: Synthese kosmopolitischer Erfahrungen

Von Sabine Froese
Wir erfinden das Rad nicht bei jedem Album wieder neu"
go! "The Walkabouts
Bandjubiläum mit Best-of-CD

Von Carsten Beyer und Imke Staats
Die ganze Welt als Inspirationsquelle
go! Bruce Cockburn
Oder: Warum Gier unser Handeln bestimmt

Von Carina Prange
Der Sieg birgt den Kern der Niederlage in sich
go! Rausch-Gold-Engel
Lucinda Williams auf der Höhe ihrer Schaffenskraft

Von Christian Beck
Weltmusik auf der Suche nach kulturpolitischer Anerkennung
go! Babylonische Klänge
Globale Musikkulturen in NRW

Von Semiran Kaya
Folker! präsentiert:
Gute Laune aus Bella Italia
go! Folkabbestia
Mit eigenwilligen Tönen und originellen Texten auf Erfolgskurs

Von Suzanne Cords
Meister von Saiten-Traditionen
go! Beppe Gambetta
Wie die Blue Jeans nach Amerika kam...

Von Rolf Beydemüller
Plattenprojekte:
go! World Music From Italy
Tribù Italiche

Von Mike Kamp
--> Das Internationale Volksmusikfestival in Førde
--> Ein italienischer Festivalsommer - Folkest
--> Charts  
editorial  
--> Ferner liefen...
--> Wer macht eigentlich...?
--> eFolks!  
--> Impressum

Editorial

Liebe Musikfreundinnen und -freunde,

einmal mehr könnte ich mit meinem Editorial Seiten füllen. Und die Sachen, die ich zu berichten habe, sind mehrheitlich unerfreulich.

In Deutschlands Radiolandschaft wird derzeit über die Kultur nachgedacht - auf hohem Niveau versteht sich. So diskutiert die Welle MDR Kultur darüber, den Begriff "Kultur" aus ihrem Programm-Namen zu streichen. Eine Umfrage habe ergeben, dass vor allem junge Menschen damit nichts anfangen könnten, weil das Wort "Anstrengendes" signalisiere. In dieses Horn stieß vor wenigen Monaten auch der Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks, Heinz Sommer, als offizieller ARD-Vertreter bei einem Referat vor der Europäischen Rundfunkunion. Seine Botschaft lautete: "Der Radiohörer hört Radio - nicht Kultur ... in allererster Linie Radio und nicht Inhalte."

Man könnte meinen, die Programm-Verantwortlichen bei WDR und SWR hätten zugehört. Anders lassen sich die dort anstehenden "Reformen" nicht erklären, denen die Matinee der Liedersänger nebst allen Sendungen der Reihe "Musikwelten" und die SWR-Liederbestenliste nebst SWR-Liederfest zum Opfer fallen sollen. Natürlich wird in Köln und in Baden-Baden gleichermaßen bestritten, dass bereits Entscheidungen gefallen seien. Es werde "intensiv diskutiert" heißt es unisono. Doch wer die Entscheidungsprozesse in deutschen Rundfunkhäusern kennt, der weiß, dass es sich hier um eine reine Augenwischerei und eine offensichtliche Hinhaltetaktik handelt. Den eMail-Briefverkehr in dieser Sache zwischen mir und Wolfgang Schmitz, dem Programmchef von WDR 5 (E-Mail wolfgang.schmitz@wdr.de), sowie Bernhard Hermann, dem SWR-Hörfunkdirektor (E-Mail bernhard.hermann@swr.de), finden Sie im vollen Wortlaut auf der Folker!-Homepage (s. Kasten rechts).

Theo Geißler fragt angesichts dieser Entwicklungen in der Sommerausgabe der Neuen Musikzeitung: "Wer schützt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor sich selbst?" Recht hat er. Populismus pur scheint in der deutschen Rundfunklandschaft angesagt. Motto: Thema egal, Hauptsache locker rübergebracht. Nach der Entpolitisierung der Politik folgt jetzt die Entkulturisierung der Kultur. Nicht nur die Hörer, sondern auch die Radiomacher sollten sich endlich wehren.

Nicht vorenthalten will ich der Folker!-Leserschaft auch bedenkliche Entwicklungen auf dem CD-Markt. Für viele unter Ihnen sind die Rezensionen eine wichtige Entscheidungshilfe beim Kauf von neuen CDs. Zunehmend ist es jedoch so, dass die Redaktion keine "Endprodukte" zur Besprechung bekommt, sondern Vorab-CDs ohne Booklet in einem Pappschuber oder einer Plastikhülle. Schlimmer noch, einige CDs haben sogar Störgeräusche in jedem Stück. Einige Plattenfirmen haben angekündigt, die Bemusterung mit CDs völlig einzustellen. Journalisten werden auf die Möglichkeit verwiesen, sich im Internet ausgewählte Tracks von neuen Produktionen anzuhören. Begründet wird dies u.a. damit, dass die Promos und deren eventuelle Weiterverwertung eine Umsatzeinbuße darstellen würden. Ich glaube, hier wird das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt. Ganz abgesehen davon, dass mit diesem Verfahren Abschied genommen wird von der Idee einer CD als Gesamtkunstwerk, zu dem die Musik ebenso gehört wie die Gestaltung des Booklets. Innerhalb der Redaktion findet derzeit eine Diskussion darüber statt, wie wir in Zukunft verfahren werden, ob wir Vorab-CDs ohne Booklet überhaupt noch besprechen werden. Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen.

Und damit entlasse ich Sie in die Lektüre einer hoffentlich wieder interessanten neuen Ausgabe unserer Zeitschrift.

Ihr Folker!-CvD
Michael Kleff

P.S.: Und natürlich habe ich auch noch eine Geschichte aus den USA ("The land of the free, the home of the brave"): Da wird in Annapolis, im Bundesstaat Maryland, Max Ochs - der Neffe des Singer/Songwriters Phil Ochs - als Gastgeber einer öffentlichen Konzertreihe entlassen, nicht nur, weil er einen Scherz über Präsident Bush gemacht hat, sondern auch, weil er Woody Guthries "This Land Is Your Land" mit dieser Strophe anstimmen ließ: "... As I went walking, I saw a sign there / And on the sign it said "No Trespassing" / But on the other side it didn't say nothing; / That side was made for you and me."

SWR-Liederbestenliste

11. August : 17 von 21 Jury-Mitgliedern protestieren in einem Brief an die Redaktion von SWR 2 gegen Ende von SWR-Liederbestenliste und -Liederpreis


Schreiben vom 24. Juli an Bernhard Hermann, SWR-Hörfunkdirektor

Sehr geehrter Herr Hermann,
gestern habe ich erfahren - aus dem Deutschlandfunk -, dass zum Oktober die SWR-Liederbestenliste eingestellt werden soll. Das Liederfest am 1. November in Tübingen wäre damit sozusagen eine Abschiedsveranstaltung.
Als CvD des Folker!, der Zeitschrift für Folk, Lied und Weltmusik (www.folker.de), schreibe ich an diesem Freitag das Editorial für die nächste Ausgabe. Da das deutschsprachige Lied ein Schwerpunkt der Zeitschrift ist - so werden die Charts regelmäßig abgedruckt und die jeweiligen Liederpreisträger porträtiert -, werden Sie verstehen, dass die geplante Einstellung ein Thema für den Folker! ist.
Im Interesse einer korrekten Berichterstattung für unsere Leser und Leserinnen möchte ich Sie recht herzlich bitten, mir noch im Laufe des Freitags eine Stellungnahme zukommen zu lassen, ob meine Informationen richtig sind. Und wenn nicht, ob man davon ausgehen kann, dass die Zukunft von Liederbestenliste und Liederfest gesichert ist. Sie erreichen mich entweder per Fax in meinem Bonner Büro unter 0228-4298898 oder unter meiner eMail michael.kleff@folker.de
Mit der Bitte um Verständnis für die kurzfristige Anfrage und der Hoffnung auf eine Antwort

Mit freundlichen Grüßen
Michael Kleff
Folker!-CvD

Antwort vom 25. Juli

Sehr geehrter Herr Kleff,
haben Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 24. Juli. Wie immer ist an einem Gerücht ein bisschen etwas dran.
Richtig ist, dass wir über die Zukunft der Liederbestenliste zur Zeit intern diskutieren. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Deshalb kann ich Ihnen zur Stunde weder die Informationen aus dem Deutschlandfunk bestätigen, noch Ihnen versichern, dass die Zukunft von Liederbestenliste und Liederfest gesichert ist.
Nach dem Ende unseres internen Diskussionsprozesses werde ich Sie aber gerne und unverzüglich über dessen Ergebnis informieren.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Hermann


WDR-Matinee der Liedersänger

eMail-Schreiben an Wolfgang Schmitz, Programmchef von WDR 5

Lieber Herr Schmitz,
in der letzten Ausgabe des Folker!, der Zeitschrift für Folk, Lied und Weltmusik in Deutschland (www.folker.de) habe ich in meinem Editorial das anstehende Ende der Matinee der Liedersänger beklagt. Einem Leser, der sich daraufhin bei Ihnen gemeldet hat, haben Sie geschrieben: "An eine Einstellung der Reihe ist nicht gedacht."
Da ich im Laufe des Freitags das Editorial für das nächste Heft schreibe, will ich gerne meine Aussage korrigieren, wenn sie denn falsch sein sollte. Daher möchte ich Sie direkt noch einmal fragen, ob ihre o.a. Aussage so zu verstehen ist, dass die Matinee der Liedersänger in ihrer inhaltlichen Breite, d.h. von Folk und Lied bis zu populärer und traditioneller Weltmusik erhalten bleibt? Wenn nicht, würde ich mich über eine Erläuterung Ihrer Aussage freuen. Mit Blick auf die Programmreform auf WDR 5 wird die Sendung ja auf jeden Fall in eine andere redaktionelle Verantwortung gegeben werden. Können Sie mir bitte sagen, wer in Zukunft die redaktionelle Verantwortung dieser Sendung haben wird und ob und wie die bislang redaktionell Verantwortlichen für die Sendung auch in Zukunft in die Planung und Durchführung der Konzerte eingebunden sind?
Ich bedanke mich für Ihre Mühe und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Michael Kleff
Folker!-CvD

Antwort vom 25. Juli

Lieber Herr Kleff,
über die Zukunft der Matinée wird derzeit zwischen der Programmgruppe Musik in WDR 3 und der Redaktion "Funkhaus Europa" intensiv diskutiert. Dem Ergebnis dieser internen Diskussion will ich nicht vorgreifen. Dafür bitte ich um Verständnis. Wir werden unsere Hörerinnen und Hörer rechtzeitig vor dem Jahreswechsel informieren.

Mit besten Grüßen
Ihr Wolfgang Schmitz


Wir lesen uns wieder beim nächsten Folker! ?!!