backDie ganze Welt als Inspirationsquelle

Bruce Cockburn

Oder: Warum Gier unser Handeln bestimmt

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Discographie
(Auswahl)
„Bruce Cockburn“ (True North, 1970)
„Inner City Front“ (Golden Mountain Corp., 1981)
„The Trouble With Normal“
    (Golden Mountain Corp., 1983)
„Breakfast In New Orleans, Dinner In Timbuktu“
    (Golden Mountain Music Corp., 1999)
„Anything Anytime Anywhere (Singles 1979-2002)“
    (Cooking Vinyl/Indigo, 2002)
„You've Never Seen Everything“
    (Cooking Vinyl/Indigo, 2003)

Bruce Cockburn - You've Never Seen Everything

Bruce Cockburn unterwegs:
(Acoustic-Stories-II-Tour mit
    Ron Sexsmith & Stefan Stoppok)
24.09.03 Köln, Gloria
25.09.03 Berlin, BKA Luftschloß
26.09.03 München, Muffathalle
28.09.03 Mainz, Frankfurter Hof
29.09.03 Hamburg, St.Pauli Theater
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Bruce Cockburn ist seit Jahrzehnten nicht müde geworden, gegen Ungerechtigkeit anzusingen. Nicht müde auch, hierfür seine Sicht der Dinge seinem Publikum mitzuteilen – und damit den Hörern auch oft eine ganze Menge zuzumuten. Sein Engagement gegen das, in vielen Länden immanente, Landminenproblem soll hier nur als ein Beispiel dafür dienen, dass die Bezeichnung „Aktivist“ für ihn durchaus angemessen ist – auch in seiner politischen Bedeutung. Bruce Cockburn, der rastlose Songwriter mit den inzwischen ergrauten Haaren und dem Lederjackenoutfit – wie man ihn zuletzt auf der Single-Compilation „Anything, Anytime, Anywhere“ aus dem Jahre 2002 abgebildet sah – hat in seinen Hörern eine weltweite Gemeinschaft ihm Gleichgesinnter gesucht und gefunden.

Von Carina Prange

Mit seinem neuen Album „You've Never Seen Everything“ fordert Cockburn sich und sein Publikum erneut heraus. Seine Musikrichtungen hat er stets wie Hemden gewechselt, trotz alledem gibt es einen gewissen, unverkennbaren Cockburn-Sound – für die neue Platte hat er sich diesmal u.a. Jazzer mit ins Studio geholt. Soziale und politische Themen und die für ihn sprichwörtliche Verwendung emotional beunruhigender Bilder spielen nach wie vor die inhaltliche Hauptrolle. Woher Cockburn die Energie nimmt, immer weiter zu kämpfen, mit seiner spirituellen Suche fortzufahren? „Ich denke, die Kraft kommt aus der Suche – hier ist letztendlich die Quelle der Energie. Solange ich mein Herz und meine Augen offen halte, gibt es immer etwas Neues zu sagen. Ich fahre meine Antennen aus. Die Songs sind ein Nebenprodukt der Empfänglichkeit für das Leben.“

Zu jeder Schattenseite gibt es eine Lichtseite

Bruce Cockburn„You've Never Seen Everything“ ist der Titelsong deiner neuen CD – es ist ein sehr bitteres Lied. Was war deine Intention bei diesem Song – den Menschen zwei Seiten einer Medaille zu zeigen? Unter welchen Umständen hast du diesen Song geschrieben?

Meine spezielle Absicht, als ich diesen Song schrieb, bestand darin, möglichst viele dunkle und düstere Gefühle und Themen anzuhäufen. Es sollte ein sehr dunkles Lied sein, sollte so viele schlimme Sachen wie möglich beschreiben. Alles, was mir in der Richtung einfiel oder begegnet ist und mehr – so wie es gerade noch in ein einziges Lied reinpasste. Und ich wollte den Kontrast darstellen, diese Möglichkeit von Licht, die doch überall dem Dunkel gegenüber steht.

Ich habe also Bilder und Szenen aus dem Leben gesammelt – solche, wo jeder, der etwas in der Art durchlebt hat, sich sagen muss: „Now I have seen everything – nichts kann mich mehr erschüttern.“ – Ich weiß nicht, ob es im Deutschen irgendeine Entsprechung, eine diesem Ausdruck vollständig äquivalente Entsprechung gibt. Im Englischen ist es ein allgemein gebräuchlicher Ausdruck. Leute verwenden ihn, wenn sie denken, dass es nicht noch schlimmer kommen kann, als es ist. Aber es kann jedoch immer noch schlimmer kommen, unvorstellbar viel schlimmer.

Gleichzeitig besteht aus dieser Sicht die Gefahr, sich auf die negativen Dinge zu fixieren, die Schönheit und das Licht, die uns ebenfalls umgeben, zu übersehen. Manchmal liegt die Schönheit direkt neben dem wirklich Abscheulichen. Zu jeder Schattenseite gibt es eine Lichtseite.

Ziemlich harter Stoff für das Publikum

Bruce CockburnDer folgende Song auf dem Album – „Don't Forget About Delight“ – erscheint wiederum trostspendend, Hoffnung vermittelnd. Wie reagieren die Leute in den Konzerten auf den Gegensatz dieser beiden Songs? Was hat dich bewogen, dieses versöhnlichere Stück zu schreiben?

Nun, bisher hat man sie im Konzert eigentlich so gut wie noch gar nicht gehört. Ich habe sie erst ein, zwei Mal live gespielt. Sie sind ja auch ziemlich neu – während der letzten Tour gab es sie noch nicht. Allerdings haben wir – unmittelbar bevor ich nach Europa geflogen bin – beide Songs in zwei Shows gespielt und sie wurden gut aufgenommen: alle beide! Ich war ursprünglich ein wenig nervös wegen „You've Never Seen Everything“. Ich dachte, ziemlich harter Stoff, das so dem Publikum vorzusetzen.

Aber – die Leute mögen das. Der andere Song ist, wie du schon gesagt hast, ein eher hoffnungsvolles Lied. Wenn man will, ist es eine Art von Erwiderung auf „You've Never Seen Everything“. Ich hatte, als ich ihn schrieb, an eine bestimmte Person gedacht. Jemand, den ich kenne, und der zwar keine Angst hat vor den dunklen Seiten des Lebens. Aber genau deshalb jemand, der, wie ich fürchte, auch leicht in ihren Strudel gerät. Dieses Lied ist speziell an diese Person gerichtet. Aber es gilt natürlich für jedermann – und auch für mich selbst.


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Mehr über Bruce Cockburn
im Folker! 5/2003