backSchottland ist anders

Eddi Reader, Robert Burns
und das große Fest in Ayr

Von der wundersamen Wiederentdeckung heimischer Musik

go! www.eddireader.com
Discographie

Fairground Attraction:
"First Of A Million Kisses" (RCA, 1988)
"Ay Fond Kiss" (RCA, 1990)

Solo:
"Mirmana" (RCA, 1992)
"Eddi Reader" (WEA/Blanco Y Negro, 1994)
"Candyfloss And Medecine"
    (WEA/Blanco Y Negro, 1996)
"Angels And Electricity" (WEA/Blanco Y Negro, 1998)
"Simple Soul" (Rough Trade/Edel, 2001)
"Live" (ERCD 001, nur in England, 2002)
"Driftwood" (ERCD 002, nur in England, 2002)
"Eddie Reader Sings The Songs Of Robert Burns"
    (Rough Trade/Sanctuary, 2003)

Eddie Reader unterwegs:

Die Daten für eine Tournee Mitte Oktober
standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Infos unter: go! www.sanctuarygroup.de

Der Crystal Palace ist ein altes Spiegelzelt auf dem Wellington Square in der schottischen Kleinstadt Ayr. "Sprechen Sie es aus wie in dem Song Eddi Reader‚The Air That I Breathe'", sagt der Mann an der Bar und reicht den gut bemessenen Malt Whisky. Es ist sieben Uhr abends, taghell und saukalt. Ayr liegt an der rauen irischen See, eine Stunde mit dem Auto von Glasgow entfernt. Möwen kreischen über dem Zelt gegen den Sturm. Es zieht durch alle Ritzen, aber es regnet ausnahmsweise nicht, und die Menschen sind bester Dinge, trinken ihren Whisky und freuen sich auf Eddi Reader. Sie wuchs in dieser Gegend auf, ist eine von ihnen, diesen harsch wirkenden Menschen, die so unglaublich freundlich sind zu Besuchern und so gerne über sich und die anderen Schotten lachen. "Der Unterschied zwischen Engländern und Schotten? Nun, der Engländer macht einen Fehler, ist peinlich berührt und versucht ihn zu vertuschen. Der Schotte gibt ihn sofort zu, lacht drüber und lebt fröhlich weiter", erklärt der rotwangige Nachbar an der Bar. Und erzählt bis zum Konzertbeginn stolz von der Unbeugsamkeit seines Volkes, das kein Römer bezwingen konnte. Im Gegenteil, schottische Piraten überfielen die Eindringlinge, und den unbeugsamen Iren und Wikingern fühlt man sich bis heute noch eher verwandt als den Engländern da unten im Süden, mit denen man ja erst seit 1707 zu einem Königreich vereint wurde.

Von Gitti Gülden

Eine kleine Abordnung von Streichern des National Scottish Orchestra erscheint auf der Bühne, selbstverständlich in Dinnerjackets mit Fliege. Dirigent Kevin McCrae versucht, alle zusammen zu stimmen, auch Eddis Band, großartige Folkmusiker erster Güte mit den abenteuerlichsten Instrumenten im Gepäck, natürlich auch Dudelsack und Fiddle. Die großartige Cellistin Christine Hanson ist da, die auch zweite Stimme singen wird. Der verschmitzte Phil Cunningham und John McCusker, Ian Carr und Ewen Vernall - sie alle haben auf Miss Readers neuem Werk mitgewirkt, das nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit dargeboten wird. "Eddi Reader Sings The Songs Of Robert Burns" heißt das Album, der Titel sagt alles. Die schottische Nachtigall Eddi Reader erscheint, legt trotz aller Kälte ihre Jacke ab (Schotten frieren offenbar nie) und singt mit geschlossenen Augen und beschwörenden Gesten die weltweit bekannte Sylvester-Hymne "Auld Lang Syne". Das Publikum dankt es mit kollektivem Lächeln, Mitsummen und feuchten Augen - und das ist erst der Anfang. Eddi erzählt vor den einzelnen Songs des großen schottischen Nationalbarden kleine Anekdoten zu Burns Liedern. Die Story von der 85-jährigen Frau, die ihrem "John Anderson My Love" eine späte Liebeserklärung macht. Der ganze Saal singt dann beherzt den Refrain zu "Charlie Is My Darling", tanzt am Rande, Eddi desgleichen auf der Bühne, die Kälte im Zelt schwindet.

Eddi ReaderAnsagen im Burn'schen Sprachduktus

"Ein alter Witzbold, dieser Burns", sagt Eddi und erzählt, wie der unglaublich produktive dichtende Songschreiber seine oft deftigen Werke an Bäume pinnte, allen Menschen zur Kenntnis. "Heute nennt man das Graffiti und sprüht." Zum zauberhaften Frühlingslied "The Winter Has Passed" spielt Eddi eine imaginäre Geige. Zu "Brose And Butter" ihre alte Weggefährtin, die akustische Gitarre. Gibt's mal eine kleine Rückkopplung, dann fragt sie das Publikum ganz im Burn'schen Sprachduktus: "Na? Hat hier etwa jemand laut gepupst?" Fällt ein Notenständer um, sucht man kollektiv nach einem Kreuzschraubenzieher. Es wird geschraubt, dann geht's munter weiter. Aufs Natürlichste werden diese Volks-Lieder aus dem 18. Jahrhundert für die Leute von heute zelebriert. Und das schottische Temperament geht durch, wenn sie zu den 200 Jahre alten Jigs und Reels Klatschen, Stampfen, Juchzen und Hüpfen. Es wird sofort wieder ganz still, als die zweite zeitlose Burns-Ballade erklingt: "My Love Is Like A Red Red Rose". Eddis ältere Hits "Hummingbird" und "I'm In A New Place Now" gibt's als Zugabe und "Moon River" als krönenden Abschluss. Alle sind glücklich.


EDDIE READER
Sings The Songs Of Robert Burns

(Rough Trade/Sanctuary Records/Zomba RTRADECD097)
11 Tracks, 45:32; Promo-Exemplar ohne Booklet

Die CD startet so ungewöhnlich, dass sich die meisten Leute beim Burns-Supper am Haggis verschlucken würden: Eine popige, soul-erfüllt improvisierende Stimme über Orchesterbegleitung, Eddie Reader beweist Mut. Auch wenn die Stimmung im Laufe der CD öfters dann doch folkiger wird (z.B. mit den Herren Phil Cunningham (Akkordeon) oder dem ex-Battlefield-Fiddler John McCusker), manchmal sogar gassenhauerhaft im positiven Sinne ("Charlie is my Darling"), bewahrt sich Frau Reader ihren ureigenen Blick auf die z.T. bereits zersungenen Werke des großen Schotten. Das ist weniger der Instrumentierung als der gesanglichen Interpretation gedankt. Eddie Reader fällt nicht in die Falle der tausendfach eingeschliffenen Phrasierungen, sie interpretiert als moderne Sängerin die Lieder frisch und orginell. Burns hätte das gefallen, garantiert!

Mike Kamp

 

DI GRINE KUZINE - Funky Pukanky



zurück


Home


vor


!!!

Folker! - ...und immer noch: über 40% sparen beim Folker!-Schnupperabo!
Also auf zur von-uns-für-euch-Schnupper-Abo-Test-Bestellung!

Mehr über Eddi Reader
im Folker! 5/2003