backDer Globalisierer

Bob Brozman

„Ich helfe weißen Menschen, runterzukommen.“

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Discographie
(Auswahl)

(mit Bhattacharya)
    „Mahima“ (World Music Network, 2003)
(mit Diawara)
    „Ocean Blues“ (Mélodie, 2000)
(mit Hirayasu)
    „Nankuru Naisa“ (World Music Network, 2001)
(mit Hirayasu)
    „Jin Jin – Firefly“ (World Music Network, 2000)
(mit Lacaille)
    „Didgdig“ (World Music Network, 2002)

Bob Brozman, René Lacaille & Band
unterwegs:
go! www.kultur-k.de

24.10.03 NL-Groningen, De Oosterport
25.10.03 NL-Amsterdam, BIMhouse
02.11.03 NL-Nijmegen, Music Meeting tbc

Klein, hager, bärtig, Brille – der Mann sieht aus wie ein Physiklehrer. Ein Fach, das ihn durchaus interessiert, und Lehrer ist er tatsächlich. Doch das Bild eines drögen Verkünders von Gravitationskonstante oder Hydrostatik will sich nicht einstellen. Da funkelt etwas über Brozmans Brillenrand, das in den Tiefen eines durchtrainierten Gehirns seinen Ursprung hat, eine irritierende Mischung aus Selbstbewusstsein, Offenheit und Wissensdrang auf der einen Seite, und auf der anderen die Lust, mit einem guten Kumpel ein großes Bier zu trinken, unkorrekte Witze auszutauschen und die Kellnerin zu bewundern. Ausgleichssport. Kennt man von Physiklehrern. Aber der hier ist irgendwie anders.

Von Luigi Lauer

Es kommt öfter vor, dass Menschen, die mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehen, zwischen zwei Programmen hin und her schalten: dem privaten Programm und dem öffentlich-rechtlichen, sozusagen. Bob BrozmanBob Brozman beherrscht diese Technik meisterlich, ein Fuchs. Beim Essen auf der Hotelterrasse findet man sich noch vor der Bestellung mitten im politischen Gespräch, mit Friedman'scher Schärfe und Nachdrücklichkeit geführt, freilich penetranz-, berührungs- und sehr wahrscheinlich drogenfrei, es fliegen Anekdoten und deftige Stellungnahmen durch die Luft, und auch Brozmans kabarettistisches Talent ist bemerkenswert. Am Tisch sitzt ein lebenserfahrener und hellwacher und gewitzter Amerikaner, der nicht viel auf seine Heimat gibt und gute Gründe dafür anführt, aufgelockert und illustriert mit dem, was er selbst erlebt, gehört, herausgefunden, nachgedacht hat. Kein Blatt vor dem Mund. Das ändert sich schlagartig, als das Mikrophon herausgeholt wird – Brozman schaltet sofort um zu Plan B. Die Substanz seiner Aussagen verringert das nicht, aber ihre Schlagkraft, ihre Spontaneität, den Mut zur Frechheit. Dr. Jekyll und Mister Hyde an einem Tisch – das hat nicht mal Robert Louis Stevenson hinbekommen.

Der Anti-Imperialist

Brozman ist Musiker, ist Ethnologe, ist Musikethnologe; die damit verbundene Einladung, Theorie und Praxis zu verbinden, nutzt er so konsequent wie kaum jemand sonst. Sein Arbeitsplatz heißt Erde, kleiner macht er es nicht. Das ist die schöne Seite von Globalisierung, sie erleichtert zu vergleichen, was wo anders ist und was überall gleich. Der Mann aus New York ist Autor und Autorität in Sachen National Reso-Phonic Guitars, ist ein begnadeter Slide-Guitar-Spieler, kennt die Geschichte der Hawaii-Gitarre und ihrer Spieler, er ist Honorarprofessor in Sydney, gibt Konzerte und Workshops in aller Welt, und wo er gerade ist, nimmt er dann und wann auch gleich ein Album mit den interessantesten Musikern vor Ort auf. Mit Takashi Hirayasu aus Okinawa hat er das getan, mit René Lacaille aus Reunion, mit Djeli Moussa Diawara aus Guinea, und jetzt auch mit Debashish Bhattacharya aus Indien. Das babylonische Gewirr hat Brozman auf seine Art gelöst, ein halbes Dutzend Sprachen hat er drauf, und nützliche Floskeln oder Höflichkeiten in 15 weiteren. Nötig seien aber selbst die nicht, sagt Brozman: „Alleine in Afrika gibt es so viele Sprachen – da verlasse ich mich lieber auf das Bob BrozmanGesicht meines Gegenübers, es lesen zu können ist sehr wichtig geworden für mich. Ich betreibe physische Anthropologie, indem ich in die Augen schaue, den Pupillendurchmesser taxiere, die Atmung, die Bewegungen der Muskeln und Arme beobachte, wenn sie spielen – ich schaue mir sozusagen die biologische Uhr an. Was meine Philosophie in erster Linie ausmacht, ist, dass ich ein totaler Anti-Imperialist bin. Mein Ziel ist, Musiker nicht nur auf halbem Wege zu treffen, sondern so nah an ihnen zu sein wie möglich; mindestens drei Viertel des Weges gehe ich auf sie zu. Und ich will lernen. Ich teile alles, mit wem auch immer ich zusammen arbeite, wir essen zusammen, schlafen in derselben Unterkunft. Es gibt also keine Einschüchterung, sondern wirkliche Freundschaft. Das mag simpel klingen, aber die Kunst besteht darin, Aufmerksamkeit aufzubauen gegenüber dem, was Musik ist, was in ihr passiert, was mein Gegenüber macht. Zuhören und aufmerksam sein – das dient der Freundschaft, und damit der Musik.“


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im Folker! 5/2003