back„The beautiful dark moods“

Jackie Leven

Poetischer Songwriter mit scharfen Kanten

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Discographie
(Auswahl)

„The Mystery Of Love Is Greater
  Than The Mystery Of Death“
  (Cooking Vinyl, 1994)
„Forbidden Songs Of The Dying West“
  (Cooking Vinyl, 1995)
„Night Lilies“ (Cooking Vinyl, 1998)
„Creatures Of Light And Darkness“
  (Cooking Vinyl, 2001)
„Shining Brother, Shining Sister“
  (Cooking Vinyl, 2003)

Poesie als solche scheint nahezu aus der Mode gekommen. Ein Songschreiber, der poetische Anwandlungen zeigt, und dessen Texte sich reimen – da keimt der Verdacht auf, hier lebe ein Mensch in der Vergangenheit. Doch ein genauerer Blick auf das Werk von Jackie Leven beweist das Gegenteil: Seine Songs, so gar nicht altbacken, leben im Jetzt, sind kritisch und zeitbezogen. Die mal mehr, mal weniger verschlüsselten Botschaften entspringen seinen Beobachtungen von Menschen, rühren von eigener Lebenserfahrung her. Jackie Levens Texte drehen sich um die uns alle ständig beschäftigenden Themen: Liebe, Leid, Trauer, Schmerz und Glück.

Jackie LevenJackie Leven schöpft überwiegend aus dunklen Quellen – es sind die dark moods, die düsteren Stimmungen, die ihn faszinieren, und aus deren Verarbeitung er selbst eine positive, reinigende Kraft zieht. Seine weitverstreuten Fans, die leider auch nach 30 Jahren Bühnenpräsenz eine eher kleine, eingeschworene Gruppe bilden, gehen dankbar mit. Lohnend ist in der Tat, die Tiefen von Levens Musik auszuloten; gleichzeitig kann man sich aber auch immer wieder vom Witz und Charme seiner Livekonzerte faszinieren lassen.

Jackie Leven lässt sich nicht auf die Musik reduzieren. Als Mensch fühlt er die Notwendigkeit, selbst Einfluss zu nehmen. So ist er Mitbegründer und jahrzehntelanger Förderer des „Core Trust“, einer Londoner Einrichtung, die mit ungewöhnlichen Mitteln und viel Erfolg Drogensüchtigen auf ihrem Weg aus der Krise hilft. Für die von seinem Freund Robert Bly gegründete Bewegung „Mytho-Poetic Men's Movement“, die Männern Zugang zur positiven Kraft ihrer Emotionen geben will, engagiert er sich ebenfalls als Fürsprecher. Seinem Ruf als Schotte folgend hat Leven – last, not least – seine eigene Whiskymarke kreiert. Unter dem Namen „Leven's Lament“ ist diese in den Regalen ausgesuchter Whisky-Läden zu finden ...

Bei Cooking Vinyl ist jetzt Jackie Levens neueste CD erschienen – „Shining Brother, Shining Sister“. Eigene Songtexte reflektieren sich in eingearbeiteten Zitaten von Neruda oder E.E. Cummings; Levens Freund David Thomas, Ex-Chef der Gruppe Pere Ubu, tritt als Rezitator eines Rilke-Zitats in Erscheinung. Im Folker!-Gespräch unterhielt sich Carina Prange mit Jackie Leven über sein neues, ausdrucksstarkes Album.

Frage: Das Cover der aktuellen CD ist ungewöhnlich für dich: Weshalb dieses Cover-Foto, das eine Demonstration von Farbigen zeigt? Wo ist die Verbindung zu deiner Musik, deinen Texten?

Antwort: Das ist eine gute Frage – es hat mit einer Kindheitserinnerung von mir zu tun. Zu den ersten Dingen im Radio, an die ich mich erinnere gehört diese Meldung. Ich war noch ziemlich klein, musst du wissen. Ein Nachrichtensprecher berichtete von einer Bürgerrechtsdemonstration in Birmingham, Alabama – ich malte mir in meiner Phantasie aus, wie das wohl gewesen sei. Viele Jahre später sah ich diese großartige Aufnahme des Afro-Amerikaners Charles Moore, die eben diese Demonstration zeigt. Schon lange hatte ich vor, es mal als Coverphoto für eine Platte zu verwenden, aber nie passte es so richtig. Bei der neuen CD stimmte es dann plötzlich, vielleicht, weil ich sie „Shining Brother, Shining Sister“ nannte.

Übrigens gibt es eine interessante Geschichte am Rande. „Black Star“, die Agentur, die die Rechte an dem Photo besitzt, hat ihren Sitz in Amerika und wurde von eben diesem Charles Moore gegründet. Heute wird sie von reichen, weißen Amerikanern geleitet. Ich sollte einer Mitarbeiterin erklären, welches Foto ich meine und sagte, es sei von Charles Moore, dem Agenturgründer – sie solle es doch einfach mal heraussuchen. Sie rief zurück und fragte, ob ich das Foto von dem Aufstand meinen würde. Ich entgegnete, dass es sich nicht um einen Aufstand handeln würde, sondern um eine friedliche Demonstration, bei der Leute mit Wasserwerfern attackiert würden. Da wurde sie sauer und fragte, wo denn da der Unterschied zwischen einer Demonstration und einem Aufstand wäre. Ich erklärte ihr, dass sie das Foto mal genauer anschauen solle – da sei eine ältere Frau mit einer blumengemusterten Handtasche zu sehen. Leute mit Handtaschen wie dieser machen keinen Aufstand. Es war eine friedliche Demonstration. Da gab sie nach und meinte, na gut ...

Jackie LevenIch dachte mir, ist ja eigentlich interessant, dass sie mit ihrer Sichtweise automatisch davon ausgeht, die farbigen Demonstranten müssten im Unrecht sein. Genau diese leichte Spannung zwischen ihr und mir überzeugten mich dann, dass das Foto genau richtig ist. Auf rein intellektueller Ebene gibt es allerdings trotzdem keinen echten Grund – weder für das Foto noch für den Albumtitel. Aber zusammen wirkt es vom Gefühl her stimmig.

Frage: Gedichte und Zitate verschiedener Autoren inspirieren und ergänzen deine eigenen Texte – dieses Prinzip durchzieht deine gesamte neue Platte. Siehst du dich selbst als „Jäger und Sammler“ für die Poesie der Welt?

Antwort: Na, das ist ja mal eine nette Art, das auszudrücken! Seit ich dreizehn bin, habe ich Gedichte geliebt – auf meine persönliche Weise. Ich wuchs auf in einer kommunistisch geprägten schottischen Kleinstadt. Da gab es dieses große, einschüchternde Schulgebäude mit einer Sammlung von vielen, vielen Gedichtbänden und einem steinalten Bibliothekar. Aus Gründen, die nur er kannte, zeigte er mir jungem Spund die ganzen großartigen russischen Dichter, führte mich an das Werk von Rilke heran und an die amerikanischen Dichter. Wir sprachen viel darüber, was alles an Gedichten gut und schlecht ist. Im Gegensatz zu vielen Leuten, die Gedichte in der Schule hassen lernten, ist die Größe der Dichtkunst der Welt von klein auf Teil meiner Wahrnehmung. Heute habe ich Bände um Bände mit Gedichten zu Hause, Millionen davon – es sind für mich sehr lebendige, gegenwärtige Stimmen mit denen die Welt zu mir spricht.


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im Folker! 2/2003