backVon Sex, Heirat und Tod

Goran Bregovic

Ein Rockmusiker auf dem Weg zum Traditionalisten?

www.goranbregovic.co.yu
E-Mail GBontour@wanadoo.fr
Discographie
(Auswahl)

„Time Of Gypsies“ (Philipps/Universal, 1991)
„Arizona Dream“ (Mercury/Universal)
  (1993, 2002 neu erschienen)
„Toxic Affair“ (Polygram/Universal, 1994)
„Queen Margot“ (Polygram/Universal, 1994)
„Underground“ (Mercury/Universal, 1995)
„Ederlezi“ (Polygram/Universal, 1998)
„Silence Of The Balkans“ (Mercury/Universal, 1998)
„Songbook“ (Mercury/Universal, 2000)
„Music for Films“ (Mercury/Universal, 2000)
„Tales And Songs From Weddings And Funerals“
  (Mercury/Universal, 2002)

Kayah & Bregovic:
„Kayah & Bregovic“ (Polygram/Universal, 2000)

Krawczyk & Bregovic:
„Daj Mi Drugie Zycie“ (BMG Polen, 2002)

Es hätte eine fast normale Rockmusik-Karriere werden können, die Goran Bregovic (Jahrgang 1950) im kommunistischen Jugoslawien Titos absolvierte. Mit „Bestije“ (Biest) punkte der Jugendliche, der vor der Gitarre Geige zu spielen gelernt hatte, los und wurde mit der Band Bijelo Dugme (Weißer Knopf) erfolgreiches Aushängeschild „sozialistischer“ Rockkultur. Er könnte heute, wie die DDR-Rocker Puhdys, von den Lorbeeren vergangener Ost-Exotik leben. Doch in dem „Jugoslawen“ aus Bosnien, der mitten unter verschiedenen Völkern, Kulturen und Religionen aufgewachsen ist, steckt offensichtlich zuviel kreative Musikalität, um sich auf die faule Haut zu legen. Derzeit bereist der charismatische Balkan-Musiker, den der Folker! bereits 1999 einmal interviewte, mit seinem aktuellen Projekt die Welt: „Tales And Songs From Weddings And Funerals“. Der ungewöhnlich bodenständige Titel lässt die Frage aufkommen, ob Goran Bregovic zu traditionellen musikalischen Wurzeln seiner Heimat zurückgekehrt ist.

Von Jürgen Brehme

GORAN BREGOVICIn Europa wurde Bregovic vor allem durch seine Filmmusiken berühmt. Zu den surrealistischen Filmen von Emir Kusturica schuf er eine kongeniale Musik, die zu einer Einheit mit den Filmszenen verschmilzt. Mystisch-elysische Musikklänge, auf- und abschwellende sakrale Gesänge vermischt mit Rumba- und Tangoelementen. Hinzu kommen Zigeunerbrass, Klezmerklänge und osteuropäische Tänze. Schon das erste gemeinsame Projekt „Time Of The Gypsies“ machte Bregovic in Deutschland bekannt. Die Presse stellte ihn neben Ennio Morricone. Bei weiteren Filmen, „Arizona Dream“ (mit Johnny Depp) und „Underground“, perfektionierten die beiden Freunde ihre Zusammenarbeit (Kusturica hatte schon auf „Bestije“ den Bass gezupft).

GORAN BREGOVICDer gemeinsame Erfolg verstellt etwas den Blick auf andere, nicht so bekannte Aktivitäten von Bregovic. Neben weiteren Filmmusiken (bereits 1978 zu „Nije Nego“ von Mica Milosevic, später noch zu „Queen Margot“ von Patrice Chereau und „Zug des Lebens“ von Radu Mihaelanu) führte er 2002 im Hamburger Thalia-Theater seine Dante-Version „The Diving Compagnie“ auf. Einige Jahre lang dirigierte er ein Großorchester von 120 Musikern durch Europa und er arbeitete mit Künstlern wie Ofra Haza, Cesaria Evora, Boban Markovic und Scott Walker zusammen. Dabei arrangierte er ähnliche musikalische Elemente wie in seinen Filmmusiken: Symphonieorchester mit bulgarischen Sängerinnen, Brass-Kapellen und jugoslawischer Volksmusik, traditionelle Instrumente mit Drumcomputer.

GORAN BREGOVIC
Tales And Songs From Weddings And Funerals
(Mercury/Universal Music 2002, 063079-2)
15 Titel, 54:49

Die CD wurde mit der Gruppe aufgenommen, mit der Bregovic auch durch Europa tourt: Folkmusiker, Streicherinnen, Brassbläser, Chor; über 40 Künstler insgesamt. Und es gibt richtige Folksongs, die ganz für sich stehen. Sie sind stellenweise von Bläsern der kleinen, aber nicht minder dynamischen Brassabteilung ordentlich aufgepeppt worden und erklingen mit Leichtigkeit und hörbarem Witz. Das mischt sich mit den Geschichten, die Bregovic in bewährter Manier vor dem musikalischen Hintergrund von Balkanfolklore, Klassik und Gregorianik vorträgt. Besonders bewegend die Songs der bulgarischen Sängerinnen, die geradezu sparsam instrumentiert sind und wie Landschaftsbilder im Raum schweben. Bregovic selbst bezeichnet sie als Filmmusiken, zu denen sich der Hörer den Film in seinem Kopf vorstellen muss.

jb

 


KRAWCZYK & BREGOVIC
Daj mi drugie Zycie
(BMG Polen 2001)
10 Titel, 42:29, Texte & Info in Polnisch

Nach seiner Zusammenarbeit mit Kayah kehrte Bregovic 2001 wieder nach Polen zurück und nahm mit Kris Krawczyk zehn Lieder (davon neun aus eigener Feder und teilweise mehrfach veröffentlicht) in Polnisch auf. Interessant, wie sich dabei die Songs in ihrer Charakteristik ändern. Das bewirken nicht nur der polnische Sänger und seine Sprache. Die Stücke sind auch alle neu arrangiert. Sie haben durch den Verzicht auf die bombastischen Streicher- und Chorklänge (wie im Film „Arizona Dream“) mehr Bodenständigkeit und stehen polnischer Folkmusik näher. Das gibt aber auch Raum für andere Untertöne in der Interpretation. Sicher nicht die beeindruckendste Scheibe von Bregovic, aber für Enthusiasten hochinteressant und für die polnische Musikszene eine Bereicherung.

jb

 


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im Folker! 2/2003