backFolker!-Labelporträt (5)

Konkurrenzlos bis zum Ende

AMIGA

Mit unscheinbaren Papphüllen verbundene Erinnerungen

Weitere Infos
zu AMIGA und DDR-Musik:

go! www.ost-web.de/index.asp

Kontakt:

BMG Berlin Musik GmbH
Wittelsbacherstr.18
10707 Berlin

go! www.amiga-musik.de
E-Mail info@amiga-musik.de
Tel.: 030-88 45 63 22
Fax: 030-8 82 70 88

CDs und Bücher sind u.a.
erhältlich bei Buschfunk

go! www.buschfunk.com

Buch-Tipp:

Birgit und Dr. Michael Rauhhut
AMIGA – Die Diskografie.

Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN 3-89602-189-3

AMIGA – Die Diskografie

Stell dir vor, du kommst in ein Musikgeschäft, und ausnahmslos alle CDs aus den Sparten Rock, Pop, Jazz, Lied, Folk, Schlager, Musical und Operette kommen von einer einzigen Plattenfirma. Nicht möglich? In der DDR schon. Diese Firma hieß AMIGA oder genauer VEB Deutsche Schallplatten. Neben AMIGA gab es nur noch ETERNA (Klassik) und einige unbedeutende Teil-Labels, die alle zu diesem Monopol-Betrieb gehörten. Gegründet wurde AMIGA 1947 durch den Arbeitersänger Ernst Busch und hieß „Lied der Zeit GmbH“. Daraus wurde 1955 der volkseigene Betrieb mit Sitz in Ost-Berlin und dem Plattenpresswerk in Potsdam. Inhaltlich hatte AMIGA das komplette Spektrum aller musikalischen Genres für die gesamte DDR abzudecken. Eine Aufgabe, die man nur eingeschränkt wahrnehmen konnte, denn weder die Kapazitäten für den Druck der Platten und der Cover noch die Devisen für Lizenzausgaben reichten aus.

Von Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Anfangs dominierte noch der Schlager, aber 1965/66 gab es bereits LPs von den Beatles, Bob Dylan, Joan Baez und vom „American Folk Blues Festival“ sowie Big Beat mit DDR-Bands. Nach der von Ulbricht eingeleiteten kulturpolitischen Eiszeit, in der alles Englische verpönt war, liberalisierte sich die Lage durch Honecker ab 1971. Es gab wieder Rock-Platten, u.a. von Renft und den Puhdys, sowie aus Polen und Ungarn, darunter durchaus Hörenswertes mit slawischen Folk-Einflüssen (Anawa, Skaldowie). Später kamen Lizenz-LPs auf den Markt, vorwiegend Best-of-Alben, z.B. von den Beatles, den Rolling Stones, Joe Cocker, Eric Clapton, Genesis, Jethro Tull, Santana, Police und den Dire Straits. Für diese Langspielplatten standen die Menschen immer Schlange vor den Plattenläden, und der Besitz einer solchen war schon ein Privileg. Selbstverständlich achteten die Lektoren dabei auf die Textaussagen: Künstler, die der DDR suspekt waren, hatten keine Chance. Das hatte immerhin den kleinen Vorteil, dass es Floh de Cologne, BAP, Lindenberg, Peter Maffay, EAV usw. gab, während Heino oder Karl Moik durchfielen. Aber auch Reinhard Mey traf es, der Grund: Pazifismus.

Linientreue Künstler bevorzugt

Hoch im Kurs standen einheimische Produktionen des DDR-typischen liedhaften Deutschrock, von den Puhdys und Karat bis hin zu wirklich Hörenswertem wie Bayon, Lift oder Karussell. Bei wem die Ausreise bevorstand oder wer bereits weg war, fehlte prompt auf den Verkaufstischen: Renft, Manfred Krug, Nina Hagen. Deren Platten waren dann genauso heiß begehrt wie Lizenz-LPs. Die Zensoren spielten eine nicht unerhebliche Rolle: Mehrere geplante LPs erschienen nie oder erst Jahre später, wie das legendäre Rockspektakel „Paule Panke“ von Pankow. Plattencover (z.B. von City) oder Texte (z.B. Silly) mussten immer wieder geändert werden. Manche Lieder hatten zwei Versionen, eine für die Platte, eine fürs Konzert. Die Konkurrenzlosigkeit des Staatsunternehmens hatte zur Folge, dass einige linientreue Künstler von den AMIGA-Chefs bevorzugt wurden, auch wenn sie sich schlecht verkauften, während so manche gute Liveband nie auf LP zu hören war. Die meisten Aufnahmen stammten übrigens vom DDR-Rundfunk, der eng mit AMIGA kooperierte. Üblich war, dass eine Band jahrelang Titel anhäufte, aus denen die Firma dann auswählte. Manche wichtige Gruppe schaffte es dadurch nur auf einen Sampler und nie zur eigenen LP, wie Keimzeit oder Regenwiese.

Festival des politischen Liedes als Plattenproduzent

Der Bereich Folk/Lied (einschl. Weltmusik) hatte in der AMIGA-Chefetage zwar einen hohen Stellenwert, aber die Umsätze waren schwach, da der normale Kleinbürger oft den Eindruck hatte, dass es sich hierbei um „linke“ oder „rote“ Lieder handele. Einige Plattenhüllen täuschten das auch vor, z.B. bei einigen wirklich guten LPs wie dem Sampler „Ein Kessel Rotes“ oder der Platte „Regenbogenlieder“ von der Gruppe Schicht. Da viele Gruppen aus dem Genre Lied/Folk auch Teilnehmer am Festival des politischen Liedes waren, rückten ihre AMIGA-LPs in diese Ecke, z.B. Hermann van Veen, Bruce Cockburn, Angelo Branduardi, Miriam Makeba, Billy Bragg, Liederjan, Hannes Wader oder Konstantin Wecker.


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im Folker! 2/2003