backGrenzgängerin zwischen den Welten

Lila Downs

Von der Suche nach dem indianischen Erbe und dem Kampf gegen die ewige Traurigkeit

go! www.liladowns.com
Discographie

„La Sandunga“
  (Hit Records/Filantropía, 1997)
„Yutu Tata. Arbol de la Vida”
  (Narada/Virgin, 2000)
„Border – La Línea”
  (Narada/Peregrina Music, 2002)

Border
Tree Of Life

Lila Downs unterwegs:

01.04.03 München, Muffathalle
02.04.03 Frankfurt/M., Alte Oper
03.04.03 Hamburg, Fabrik
04.04.03 Berlin, BKA Luftschloss
05.04.03 Karlsruhe, Tollhaus

Es ist nicht leicht, zwischen zwei Kulturen zu stehen, vor allem dann nicht, wenn die eine verächtlich auf die andere herabsieht. Lila Downs ist mit dieser schmerzvollen Erfahrung aufgewachsen. Lila DownsAls Tochter eines US-Amerikaners und einer mexikanischen Mixteco-Indianerin musste sie immer wieder mit rassistischen Vorurteilen kämpfen. Sie hat lange gebraucht, sich selbst und ihre Wurzeln zu akzeptieren. Doch dann hat sie erkannt, dass Gesang das Medium ist, mit dem sie ihre Gefühle am besten ausdrücken kann.

Von Suzanne Cords

„Es gab eine Zeit, da habe ich meine Haare blond gefärbt, weil ich mich meiner indianischen Wurzeln schämte“, erinnert sich Lila Downs. „Heute bin ich stolz auf dieses Erbe.“ Mehr noch, die 34-Jährige erzählt in ihren Liedern die Geschichten ihres Volkes, des Volkes ihrer Mutter. Die Mixteken, die Wolkenmenschen, sind neben den Zapoteken der zweitgrößte Indiostamm Oaxacas, einer Provinz im Süden Mexikos. Lila Downs erinnert an eine längst vergangene Zeit, als die Indígenas in der Sierra Madre noch die alleinigen Herrscher waren – lange bevor die conquistadores, die Eroberer aus der Alten Welt, in ihr Land einfielen. Sie berichtet von uralten Mythen und Bräuchen, die die Jahrhunderte überdauert haben, denn den spanischen Kolonialherren ist es nie ganz gelungen, die Kultur der Indios auszumerzen. Doch die Sängerin bleibt nicht in der Vergangenheit gefangen. Sie erzählt auch von der traurigen Gegenwart, in der Mexikaner auf der verzweifelten Suche nach Arbeit illegal über die Grenze in die USA gehen, vom Elend dieser Gastarbeiter im „gelobten Land“.

„Mein Volk ist melancholisch“

„Meine Heimat, die Sierra Mixteca, blutet gen Norden hin aus. Jahr für Jahr machen sich junge Männer und Frauen auf den Weg ins Unbekannte“, erzählt Lila Downs. Man kennt die Bilder aus dem Fernsehen: Verzweifelte Menschen klettern bei Nacht und Nebel über Zäune, durchqueren die Wüste und wenn die US-Sheriffs sie nicht aufgreifen und zurückschicken, dann putzen sie für eine Handvoll Dollars die Häuser der Gringos oder schuften auf den Feldern. „Warum“, empört sich Lila, „warum wird diese Arbeit nicht anerkannt? Ist es etwa nichts Ehrenhaftes, für das tägliche Essen zu sorgen?! Was würden die Nordamerikaner denn machen, wenn die Mexikaner nicht ihre Äcker bearbeiten würden? Sie würden hungrig zu Hause sitzen.“

Doch trotz scharfer Kontrollen schlüpfen immer wieder zahlreiche illegale Einwanderer durch die Maschen des Gesetzes. Zuhause im Hochland bleiben vor allem die Alten zurück. „Mein Volk ist nicht fröhlich, eher schwermütig und voller Scham, misstrauisch und melancholisch“, meint Lila Downs. „Ständig kämpfen wir gegen die innere Traurigkeit. Wie zum Trotz gibt es die vielen Farben und Feste, auch gegen die Gewissheit, dass der Tod überall lauert.“

Es war genau dieser allgegenwärtige Tod, der Lila klar gemacht hat, dass Singen ihre wahre Bestimmung ist. Immer wieder kamen Nachbarn und Bekannte zu ihr, damit sie Lila DownsTotenscheine aus dem Englischen übersetzte – Totenscheine von jungen Mexikanern, die bei dem Versuch, heimlich in die USA einzureisen, ums Leben gekommen waren. Die Trauer und Verzweiflung der Angehörigen hat Lila musikalisch verarbeitet. Das Stück „Ofrenda“ – „Opfergabe“ – auf ihrem Debütalbum ist eine Hommage an ihre elendig umgekommenen Landsleute. Die Grenzproblematik, die verzweifelte Suche nach etwas Glück in den USA, ist auch Thema ihres aktuellen dritten Albums: „Border-La Línea“. „Jeder fragt sich irgendwann einmal, warum er auf der Welt ist und was seine Aufgabe ist. Ich glaube, meine Bestimmung ist es, zu singen und über mein Volk zu berichten“, erklärt die Künstlerin. „Ich fühle mich wie ein Medium. Ich möchte den Schmerz meines Volkes herausschreien, aber ich will auch von seinen wunderschönen alten Bräuchen und Mythen erzählen. Ich will den Menschen diese neue Dimension und die Weisheit meiner Ahnen erschließen.“

Das Überwinden von Grenzen

Mit ihrem eindrucksvollen Mezzosopran, der mühelos drei Oktaven überspringt, geht Lila Downs Appell für mehr Menschlichkeit direkt unter die Haut. Manchmal erinnert ihre Stimme an Mercedes Sosa, dann wieder an Chavela Vargas. Was sie mit diesen außergewöhnlichen Sängerinnen eindeutig gemeinsam hat, ist die Seele, die man in ihren Liedern spürt. Lilas kraftvolle Stimme reißt einen mit sich wie ein kalter Gebirgsbach, Schauer rieseln über den Rücken. In ihrer farbenfrohen Tracht, mit dicken Zöpfen und Indianerringen und Ketten geschmückt, entführt sie in eine andere Welt, ohne dabei pathetisch zu wirken. Im Gegenteil, sie ist humorvoll, provokativ, manchmal extrem zynisch – wie in dem genialen Stück „El Bracero Fracasado“ (der gescheiterte Tagelöhner) – und verzichtet doch gänzlich auf den erhobenen Zeigefinger.


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im Folker! 2/2003