backSrbija: Sounds Global

Die Welt- und Folkmusikszene Serbiens
im Jahr drei nach Milosevic

Turbofolk spielen die anderen

Kontakt Bojan Djordjevic:
E-Mail ringring@ptt.yu
Discographie
(Auswahl)

Saban Bajramovic:
„Mostar Sevdah Reunion Presents Saban
  Bajramovic A Gypsy Legend“
  (World Connection, 2001)

Ljiljana Buttler:
„Mother Of Gypsy Soul“ (Snail Records, 2002)

Boban Markovic orkestar:
„Live In Belgrade“ (Piranha, 2002)
„Brotherhood Of Brass“ (Piranha, 2002)
„Disko – dzumbus“ (FolkEurópa&X-produkció,
  E-Mail folkeuro@axelero.hu)

Boris Kovac & Ladaaba Orchest:
„The Last Balcan Tango“ (Piranha, 2001)

Moba:
„Serbian Traditional Songs“
  (Eigenverlag Moba, 2001, E-Mail moba@eunet.yu)

Teofilovici:
„cuvari sna“ (Eigenverlag Ratko
  und Radiša Teofilovic, 1998)

Ekrem & Gypsy Groovz:
„Rivers Of Happiness” (Enja Records, 2002)

Ognjen i prijatelji:
„Balkan Rumba“ (Ring Ring B92, 2001)

Diverse:
„Srbija: Sounds Global , Vol 1 und 2“
  (FreeB92, 2000/2002,
  go! www.b92.net, E-Mail miticm@b92.net)

Die internationale Weltmusikmesse in Rotterdam im Herbst 2001 begann mit einer Konzertabsage. Denn Boris Kovac und sein Ladaaba Orchest waren zwar offizielle Womex-Gäste, hatten aber kein Visum bekommen für ihre Reise aus Novi Sad in Jugoslawien nach Rotterdam. Lange Gesichter bei den Aca SisicOrganisatoren und traurige Wut beim serbischen Musikjournalisten Bojan Djordjevic. Der Leiter des Belgrader Ring Ring Festivals für neue Musik meinte nur lakonisch, dass Leute wie der Bandleader und Komponist Boris Kovac das andere, das neue Jugoslawien verkörperten und solche Art von Behandlung einfach nicht verdienen würden. Ein Jahr zuvor im Oktober 2000, genau zum Machtwechsel in Belgrad, hatte Bojan Djordjevic seine Arbeit an einem Sampler namens „Srbija: Sounds Global“ beendet. Jetzt ist die zweite CD in dieser Reihe erschienen, die Stars der Szene vorstellt, aber auch Künstler, die jenseits der serbischen Grenzen noch unbekannt sind.

Von Grit Friedrich

Boris Kovac hat seine hoch theatralische „apokalyptic dance party“ dann eben auf der letzten Womex in Essen zelebriert. Die Mühlen der Schengen-Bürokratie mahlen langsam, doch mittlerweile haben die Musiker aus Novi Sad trotz dieser Hindernisse schon in Übersee, u.a. in Japan, und in so manchem westeuropäischen Land gastiert. Denn es sind auch dank der Arbeit von Bojan Djordejvic nicht mehr nur Zigeunerbands, die einem einfallen, wenn man an Musik aus Serbien denkt. Natürlich ist der auf dem legendären Bläserfestival in LajkoGuca mehrfach preisgekrönte Trompeter Boban Markovic samt seinem Orchester omnipräsent auf Festivals sowie mittlerweile mehreren CDs bei Piranha und diversen ungarischen Labels.

Doch Markovic kann ganz gut damit leben, dass er aus dem eigenen Land Konkurrenz bekommt, denn seitdem eine Art Frieden herrscht auf dem südlichen Balkan, schaffen immer mehr Blaskapellen aus dem Vranjetal den Sprung auf internationale Bühnen. Der „Srbija: Sounds Global“-Sampler Nummer 2 stellt denn auch das „Salijevic orkestar“ vor, das schon in einigen Kusturica-Filmen mit für den furiosen Soundtrack sorgte. Und die Brassband von Ekrem Sajdic hat vor kurzem mit „Rivers Of Happiness“ ihre erste internationale CD veröffentlichen können.

Mother Of Gypsy Soul

Der Sturz Milosevics beendete vor zweieinhalb Jahren eine nicht nur für Künstler unendlich deprimierende und lange Periode der Isolation und des Boykotts und hat der Folkszene in Serbien positive Impulse gegeben. Legendäre Stars der Zigeunermusik, wie Saban Bajramovic und Ljiljana Buttler (ehemals Petrovic) wurden nun zum ersten Mal seit den achtziger Jahren wieder international wahrgenommen und zu CD-Produktionen eingeladen. Ljiljana Buttler lebt seit mehr als 15 Jahren im Ruhrpott in Deutschland und hielt sich und ihre Familie mit Jobs als Putzfrau über Wasser. Bis der bosnische Produzent Dragi Šestic sie zu Aufnahmen mit der Mostar Sevdah Reunion überredete. Moba„Diese CD hat mir ein wenig den Glauben an das Singen zurückgegeben“, sagte Ljiljana Buttler in einem Interview auf der letzten Womex und bekannte, „Es hat mir weh getan, dass einige Kritiker schrieben, ich könne nicht mehr singen. So dass diese CD mit ein wenig Trotz aufgenommen ist, damit man sieht, dass Ljiljana noch nicht zum alten Eisen gehört, auch wenn sie 56 Jahre alt ist.“

Schwarz kopierte alte Petrovic- oder Bajramovic-Alben, wie die einst in Ljubljana produzierten Plattenerfolge „Djelem, Djelem“ oder „Duša Roma“, kann man in der Belgrader City an jeder Ecke für umgerechnet rund fünf Euro kaufen, die offizielle Doppel-CD vom slowenischen Label Nika mit Bajramovic-Hits aus den siebziger und achtziger Jahren kostet zwar nicht viel mehr, aber man findet sie eher im gutsortierten Plattenladen im Dom Mladinja oder an einem der zahlreichen Kioske am Hotel Moskau.

Wider eine selektive Wahrnehmung

Der Zigeunersänger Saban Bajramovic lebt wie schon in seinen Jugendjahren in Niš, einer Stadt im Süden Serbiens, drei Busstunden von Belgrad entfernt. Dieser Sänger hat den größten Teil seiner schillernden Karriere in Titos Jugoslawien gehabt, den weißen Mercedes und Konzerte vom Balkan Sabanbis nach Indien mit seiner damaligen Band, den Black Mambas inklusive. Heute kommt Bajramovic im Interview schnell in Rage über das für seine Verhältnisse viel zu niedrige Honorar für die in den Niederlanden produzierte CD oder permanent missachtete Autorenrechte in seiner Heimat. Eine funktionierende Gema südlich von Zagreb gibt es bisher nicht und wird es wohl auch nie geben. Wütend war der Mann aus Niš auch mal auf Goran Bregovic, bis dieser ihn für dessen aktuelles Album als Gastsänger engagierte und im CD-Cover sogar namentlich erwähnte. Der bisher wie ein Granitblock in der Landschaft stehende Bregovic-Satz „Auf dem Balkan sind alle Künstler anonym“, gilt zum Glück nicht mehr.

Zweifellos hat der internationale Erfolg von Goran Bregovic auch andere serbische Musiker ins Fahrwasser der Ethnowelle gezogen, erwähnt sei hier nur die Gruppe Balkanika von Sanja Ilic, die man immer mal wieder im staatlichen Fernsehen hören kann und deren so oberflächliche wie eklektische CD „Balkan 2000“ sich recht gut verkauft. Doch es gibt in Serbien eben mehr als Bregovic und Ilic zu entdecken. Und dass die Leute davon auch erfahren, dafür sorgt der Rechtsanwalt und Musikjournalist Bojan Djordjevic.

Boban Markovic OrkestarDjordjevic hat in den letzten Jahren Pionierarbeit geleistet, mit seinen Weltmusiksendungen auf Radio B 92, mit dem internationalen Festival für neue Musik „Ring Ring“ und nicht zuletzt mit der Arbeit an den beiden Alben, die bisher in der Reihe „Srbija: Sounds Global“ erschienen sind. „Das nationale Label hat seine Aktivität auf diesem Gebiet schon vor zehn Jahren aufgegeben“, erklärt Djordjevic, und fügt hinzu: „Sie haben nur noch hochprofitable CDs herausgebracht. Ich sprach mit meinen Freunden bei Radio B 92, dass wir doch einen Sampler mit Weltmusik aus Serbien produzieren sollten. Und der lief dann so gut, dass wir bei B 92 unter dem Namen ‚Ring Ring' ein neues Sublabel gründeten, um zu versuchen, die Weltmusikszene in Serbien voranzubringen.“


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im Folker! 2/2003