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Salsa in Polen

Im Osten gibt es mehr als Chopin, Jazz und Folklore

Begriffe wie Karneval und Kuba scheinen sich auf den ersten Blick im Gewand slawischer Grammatik absonderlich zu bewegen, und zunächst mag uns nichts ferner liegen als eine assoziative Verknüpfung von Salsa und Polen. Dabei hat das Nachbarland im Osten weitaus mehr zu bieten als Chopin, Moniuszko, Polski Jazz und traditionelle Folklore – was immer man besonders in diesem Fall darunter versteht. Polen war Länderschwerpunkt beim letztjährigen Tanz&Folkfest Rudolstadt und sorgte mit facettenreichen Künstlern wie Ula Dudziak, Irena Cisek, jungen Gruppen wie Kontraburger oder Swoja Droga (frei übersetzt: dein eigener Weg) – nomen est omen – durchaus für Überraschungen

Polnisches Salsa-Portal:
go! www.salsa.org.pl

Ebenso überraschend aber liest sich eine Zeitungsnotiz vom Latin-Chem in Chemnitz, dem immerhin größten Festival für Salsa und lateinamerikanische Musik und Tanz in Deutschland, bei dem nicht nur auffallend viele Gäste aus Polen und Tschechien begrüßt werden konnten, sondern sich in die handverlesene Garde der Tanzlehrer aus Spanien und Lateinamerika mit klingenden Namen wie Rafael Muñoz, Ramón Cabrera, Lorenzo Sánchez Morales auch eine junge polnische Choreographin und Tanzpädagogin einreiht – Monika Jaranowska – und das spricht in diesem Rahmen für sich.

Von Cathrin Alisch

Wir begegnen ihr in einem anderen Kontext wieder. Die Viadrina, Europa-Universität in Frankfurt/Oder, ein Projekt quasi direkt auf der Grenze nach Polen, feiert die ersten zehn Jahre ihres neugegründeten Bestehens. Zum Jubiläum gibt es Kultur. Man tanzt aus Anlass des Festes und zu Ehren der Gäste – nicht aber etwa abwechselnd Walzer und Krakowiak, sondern wartet mit einer professionellen Salsa-Show auf – Perfektion und Raffinesse vom kleinen Zeh bis zur glitzernden Wimper. Die Uni verfügt über eine sozusagen hauseigene Tanzgruppe, „Salsa Ventura“, die fast ausschließlich aus polnischen Studenten und Studentinnen besteht – künstlerische Leitung: Monika Jaranowska.

Kurze Zeit später sitzt das Ensemble samt Leiterin fast komplett im Seminar für interkulturelle Kommunikation und diskutiert über Begegnung durch Musik und Tanz. Grau ist alle Theorie – nicht aber, wenn sie, wie hier, so unmittelbar und mit offensichtlichem Temperament und Freude daran umgesetzt wird. Da lacht das Musikologenherz, und ich fange an zu fragen. Wie kommt man aus Poznan oder Lublin ausgerechnet auf Salsa, Son und Cha Cha Cha?

Alternative zu Standardtänzen

Die Antworten sind vielschichtig, beziehen sich auf die jeweilig individuellen Erfahrungen mit dem Tanz selbst und inzwischen auch auf die Reflexion aus der Sicht des Performancekünstlers. Wie reagiert wo ein Publikum und warum? „Meine ersten Erfahrungen mit Salsa habe ich vor fünf Jahren in Mexico gemacht“, erzählt Agnieszka, eine der StudentInnen. „Ich habe ein Jahr in Xalapa, Veracruz, verbracht, eine Region, die sehr von Kuba beeinflusst ist, nie Tanzkurse besucht, aber viel in den Salsatecas abgeguckt. Standardtänze vorher haben mich nicht so richtig angesprochen, weil diese Art des Tanzens für mich immer zu viele einschränkende Regeln hatte. Die Salsa ist ein Tanz der Straße und lässt eigentlich sehr viel freien Raum für die eigene Gestaltung. In Mexico und später in Kuba hat mir die Salsa den Weg zu den Leuten geöffnet. Ich sprach ihre Sprache und gehörte irgendwie dazu. Zurück in Europa habe ich dann weitergetanzt und hatte inzwischen mit unserer Tanzformation auch viele Auftritte zu Hause in Polen. Die Reaktion ist manchmal sehr verhalten. Wahrscheinlich wirken die freizügigen Bewegungen auf ein etwas älteres Publikum doch noch sehr fremd.“


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im Folker! 2/2003