backEntertainer und Aktivist in einer Person

Harry Belafonte

Anthologie der schwarzen Musik als Lebenswerk

„Meine Berühmtheit verpflichtet mich, für soziale Gerechtigkeit und, viel wichtiger, für den Frieden zu kämpfen.“ Der Mann, der das sagt, ist der Sänger, Harry BelafonteSchauspieler und Aktivist Harry Belafonte. Am 1. März wird der amerikanische Künstler 76 Jahre alt. Er kann auf eine mittlerweile über 50 Jahre andauernde Karriere zurückblicken, die ihm unzählige Erfolge in der Musik- und Filmbranche gebracht hat. Er war es, der mit Songs wie „Island In The Sun“ und „Day-O“ den Calypso in der Welt berühmt machte. Mit Filmen wie „Beat Street“ oder „Kansas City“ zeichnete er Sitten- und Zeitporträts über Amerika. Und er fehlt bis heute bei keinem Marsch, wenn es um die Würde schwarzer Menschen geht. Glaubt man seinen eigenen Aussagen, dann waren ihm jedoch alle seine großen Erfolge nicht so wichtig wie ein schon vor weit über 40 Jahren begonnenes Projekt, das erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich ist: die Geschichte der afroamerikanischen Musik. Veröffentlicht auf fünf CDs unter dem Titel „The Long Road To Freedom: An Anthology Of Black Music“.

Von Michael Kleff

Kontakt:

E-Mail BelEntInc@aol.com
go! www.belafonte-asiteofsites.com
  (Fan-Homepage)

Harry Belafonte Presents:

The Long Road To Freedom:
  An Anthology Of Black Music
  (5 CDs, 1 DVD, 140-seitiges Buch)

Buddha Records/BMG
  (www.buddharecords.com/blackanthology)

Harry Belafonte unterwegs:
go! www.ace-concert.de

01.03.03 Frankfurt, Festhalle
11.03.03 München, Olympiahalle
12.03.03 Nürnberg, Arena
13.03.03 Berlin, ICC
15.03.03 Oberhausen, König-Pilsener-Arena
16.03.03 Bremen, Stadthalle
17.03.03 Köln, Kölnarena
20.03.03 Stuttgart, Schleyerhalle
21.03.03 Hamburg, Arena
22.03.03 Leipzig, Arena

Webster Hall, New York City. Fast sieben Jahre lang diente diese altehrwürdige Konzert- und Tanzhalle Harry Belafonte als Aufnahmestudio für seine Anthologie der schwarzen Musik. „Das dort aufgebaute ‚Studio' war nicht viel größer als ein Schuhkarton“, erinnert sich Belafonte. „Kein großartiges technisches Brimborium, weil wir davon damals ohnehin nicht viel hatten. Ein Mikrofon. Alles war in mono. Fast alle Aufnahmen für die Anthologie wurden ist in diesem Raum gemacht.“ Die Idee für sein Vorhaben entstand, nachdem Harry Belafonte die Musik der Georgia Sea Islands, die Songs von Lead Belly und die Balladen und Arbeitsgesänge der Sträflingskolonien gehört hatte. „Ich begann mich mehr mit der Musik aus Afrika und mit der Musik im ländlichen schwarzen Amerika zu beschäftigen. Und dann sagte ich mir, wenn ich jemals die Gelegenheit und eine Plattform bekommen sollte, wollte ich meinem Land diesen musikalischen Reichtum vorstellen, den es solange verleugnet hat.“

Traditionelle Musik auf kunstvolle Weise präsentiert

Belafonte bekam die Gelegenheit. George Marek, der Chef seiner Plattenfirma, gab ihm grünes Licht für sein Vorhaben. Marek räumte Belafonte viele Jahre Zeit für die Arbeit an der musikalischen Geschichte der schwarzen Amerikaner von der Sklaverei bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ein. Das Spektrum reicht von den Gesängen und Trommeln afrikanischer Völker, den Spirituals und Hymnen der Kirche, dem Blues und den Arbeitsliedern der Sklaven bis hin zu Kinderfolksongs, den Songs der schwarzen Regimenter im Bürgerkrieg, Freiheitsliedern und den Songs über die geheimen Fluchtwege der Schwarzen nach Kanada, den Liedern der Underground Railroad.

Die meisten der 80 auf der Anthologie vertretenen Aufnahmen sind dem damaligen Stand der Aufnahmetechnik entsprechend perfekt produziert, nicht um, wie ein Kritiker meinte, „die Dramatik der Roots zugunsten einer polierten Broadway-Theatralik über den Haufen zu werfen“, sondern, so Belafonte, um die alte Musik auf eine kunstvolle Weise zu präsentieren.

Als Co-Produzenten gewann Harry Belafonte Leonard de Paur, der bis zu seinem Tod 1998 eine wichtige Rolle als Dirigent und Arrangeur in der Musikszene Amerikas gespielt hat. Er besaß die Fähigkeit, die traditionelle Musik so zu Papier zu bringen, dass sie dem Original weitestgehend entsprach.

Klingendes Geschichtsbuch des schwarzen Amerika

Die Musiker für sein Vorhaben holte Belafonte aus dem ganzen Land zusammen. Besonders beeindruckt war er von der Sängerin Bessie Jones von den Georgia Sea Islands. „Sie und ihre Musiker zu gewinnen, gehörte zu den größten Erfolgen dieses Projekts. Bei ihr findest du die frühesten Spuren der schwarzen englischen Sprache, die ersten Ausdrucksformen schwarzer Folklore sowie die Anfänge der religiösen Spiritualmusik Amerikas.“

Andere Künstler, die auf „The Long Road To Freedom“ zu hören sind, sind Gloria Lynne, Folk-Matador Leon Bibb (der Vater des Bluesmusikers Eric Bibb), Brownie McGhee und Sonny Terry sowie Joe Williams, der u.a. bei der Count Basie Band gesungen hat. Die auf der Anthologie zusammengestellten Songs stellen ein klingendes Geschichtsbuch der Afro-Amerikaner und ihrer Kultur dar. Als nach zehn Jahren Harry BelafonteArbeit 1971 das Projekt abgeschlossen war, wurden die Aufnahmen dann doch nicht veröffentlicht. Sie waren offensichtlich nicht kommerziell genug. Umso mehr freut sich Harry Belafonte darüber, dass „The Long Road To Freedom“ über 30 Jahre später doch nach das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. War es ihm doch ein zentrales Anliegen seiner Karriere, alle Nuancen der schwarzen Musikkultur im Laufe ihrer Geschichte aufzuzeigen. „Allein die Tatsache, dass eine solche Kunst aus der Unterdrückung hervorgehen konnte, ist ein Wunder. Das Projekt bietet Gelegenheit, von der Geschichte der Menschen zu erfahren, Menschlichkeit kennen zu lernen und ein Stück große Kunst zu erleben. Es war eine der für mich befriedigendsten Zeiten meines Lebens. Und ich freue mich, dass das Vorhaben jetzt Wirklichkeit geworden ist.“

Hoffnung in junge Musiker gesetzt

In der Musik von heute kann Harry Belafonte nicht viel entdecken, was ihm gefällt. Mit einer Ausnahme: der Rap-Kultur. Die von der unterprivilegierten schwarzen Jugend begründete Bewegung stellt für ihn eine der wichtigsten musikalischen Ausdrucksformen des 21. Jahrhunderts dar. „Die HipHop-Kultur kommt aus der Bronx, aus den Armenvierteln. Musik und Texte protestierten gegen Unterdrückung, gegen Rassismus und dagegen, dass die Demokratie Amerikas nicht für alle Bürger gilt. Darum ging es am Anfang und damit wurde eine große amerikanische Folk-Tradition fortgeführt, die wir als ‚Musik des Volkes' bezeichnen. Das nur auf Profit und Geld bedachte Musikbusiness trat jedoch schnell auf den Plan, um diese neue Kultur zu vermarkten. Dadurch wurde ihr Inhalt korrumpiert. Sie bekam ein neues Gesicht, das von Gewalt und Materialismus geprägt war. Interessant ist, dass viele junge Leute, mit denen ich zu tun habe, jetzt diese Musik zu ihren ursprünglichen Wurzeln zurückholen wollen. Das macht mir viel Mut.“


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im Folker! 2/2003