backFolker!-Labelporträt (4)

Von den Schmetterlingen bis zu Erika Pluhar

LogoDie Extraplatte in Wien

Seit 25 Jahren gegen den Mainstream

Was vor 25 Jahren als „Label der Musiker“ begonnen hat, ist heute ein etablierter Nischenanbieter für Innovatives, Schräges und Exotisches im österreichischen Musikmarkt. Dies ist aber noch lange kein Grund für Extraplatte-Chef Harald Quendler sich zu lang einer Feierstimmung hinzugeben. Weder entspricht dies dem Ethos des Vielarbeiters Quendler, noch lassen dies die derzeit nicht nur in Österreich siechen Verhältnisse am CD-Markt zu. Man beschränkt sich auf das, was man seit einem Vierteljahrhundert so ausgezeichnet versteht: interessante und künstlerisch originelle „Extraplatten“ herauszubringen.

Von Jörg Eiben

Extraplatten sind in
Deutschland erhältlich

Vertrieb für den Buchhandel:
Hörsturz Booksound, Erding
E-Mail booksound@t-online.de

Vertrieb für den Tonträgerhandel:
Sunny Moon Köln
E-Mail volker.dueck@sunny-moon.com

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Extraplatte
Musikproduktions- und Verlags GmbH
Währingerstr. 46
A-1090 Wien
Österreich

Telefon +43 1 31 01 084
Telefax +43 1 31 00 324

E-Mail info@extraplatte.at
go! www.extraplatte.at

Der erste Akt der Geschichte der Extraplatte war die Gründung eines autonomen Plattenlabels von musikalischen Aktivisten aus dem Umfeld des legendären Wiener Folk-Klubs „Atlantis“. Die Folkies und Liedermacher der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Hausbesetzer-Szene und der grün-linken Protest-Generation waren frustriert über die mangelnden Veröffentlichungschancen ihrer Aufnahmen bei den etablierten Schallplattenfirmen und wollten, angespornt von Entwicklungen in anderen europäischen Ländern, die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ihr Publikum hatten sie bei den vielen Veranstaltungen der Anti-AKW-Initiativen, die in der erfolgreichen Zwentendorf-Volksabstimmung ihren Höhepunkt fanden, und bei den Geschehnissen um die Besetzung des „Arena“-Komplexes, die in der erfolgreichen Gründung eines autonomen Kultur-Zentrums gipfelte. Zum Förderer des Projektes eines Kollektivs von unabhängigen Musikproduzenten wurden Die Schmetterlinge, die politisch-engagierte Gruppe um den Multiinstrumentalisten Erich Meixner, die Sängerin „Trixi“ Neundlinger und den späteren Ostbahn-Kurti, Willi Resetaris. Die Gruppe hatte sich seit Beginn der 70er Jahre etabliert und verfügte über einen wichtiges Produktionsmittel zur Realisierung des Projektes: Sie besaß in Bisamberg das „Schmettersound“-Studio. Erste LP-Projekte entstanden: zum Beispiel „Aufsässige österreichische Volkslieder“ der Gruppe Dreschflegel, dem Vorläufer von Liederlich Spielleut, die später ebenfalls bei Extraplatte veröffentlichten („Gezuwa“). Der kritische Liedermacher Reinhart Sellner nahm hier „Halten verboten – Kritische Lieder für Zeitgenossen“ auf und es entstanden Live-Mitschnitte wie „Künstler gegen Zwentendorf“ aus dem Jahre 1979. Weitere Künstler, die damals auf Extraplatte erschienen, waren der Folkie Patrick Cinque, die Liedermacher Erich Demmer, Werner Prassl und Rudi Burda, der Kabarettist Lukas Resetaris, deutschen TV-Zuschauern auch als Kottan der legendären Kriminal-Parodie bekannt, sowie die Politrockgruppe „Auflauf“ des heutigen Kabarett-Texters Fritz Schindlecker.

Zusammenarbeit für Künstler und Label ohne Hierarchien

Recht bald zeigte sich jedoch, dass ein wenig einheitliches Kollektiv von Individualisten nur unzulänglich agieren konnte, wenn es um die Organisation von Marketing, Vertrieb und anderen eher kaufmännischen Belangen ging. Die Koordination der Aktivitäten von der Aufnahme bis hin zum fertigen Produkt und in der Folge Verkauf und Auslieferung überforderte die schmale Organisation, die Die Schmetterlinge rund um ihr Schmettersound-Studio in Bisamberg vor den Toren Wiens bieten konnten. Da traf es sich gut, dass einige der Musiker und Tontechniker des Studios in demselben Stammheurigen verkehrten wie Harald Quendler, der damals gerade beschlossen hatte, aus einer relativ gesicherten, aber monoton geworden Karriere im Vertrieb eines Markenartiklers auszusteigen und sich nach einer sinnvolleren beruflichen Aufgabe umsah. Aus einem beiläufigen Wirtshausgespräch entwickelten sich ernsthafte Verhandlungen über die Leitung der vertrieblichen Belange der Extraplatte. Fasziniert von der Perspektive, in einem künstlerisch orientierten Umfeld einen beruflichen Neustart machen zu können, sagte Quendler zu, zumal ihm die Philosophie des selbst-organisierten Zusammenarbeitens der Kreativen, die alle Bereiche des „Platten-Machens“ von der Aufnahme über Cover- und Textheft-Gestaltung bis hin zu Promotion, Marketing, Vertrieb etc. einschloss, sehr beeindruckte. Für ihn ist diese Idee der engen und integrativen Zusammenarbeit zwischen Künstler und Label ohne rituelle und soziale Hierarchien bis heute bestimmend geblieben.

Abschied vom Künstler-Kollektiv

Mit der Ankunft Quendlers als vertriebliches „Rückgrat“ des Labels erweiterte sich das Repertoire-Angebot. Hier ist besonders „Tango From Obango“, das Debüt des Vienna Art Orchestra's, zu erwähnen, mit dem der Schweizer Matthias Rüegg den in den 90er Jahren boomenden Worldmusic Meets Jazz-Trend vorweg nahm. Das Büro der Extraplatte bestand damals aus Schreibtisch und Telefon in einem Eck des Proberaums der Schmetterlinge in der Altmüttergasse in Wien und auch sonst war der Beginn der Vertriebsorganisation von strenger Ökonomie bestimmt, wenn es um Aufwendungen für Reisetätigkeit oder auch Verkaufsförderung ging.


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im Folker! 1/2003