backIm Schatten der Merengue-Musik

Kontakt:

Fundación Cultural Bayahonda
Calle Hermanos Deligne Nr. 208
Gazcue
Santo Domingo, República Dominicana

Telefon: 001-809-682 38 77
Fax: 001-809-682 40 88
Bayahonda1@yahoo.com

Discographie:
(Auswahl)

Xiomara Fortuna
„Ella Ta'I” (Ilè Akwa, Santo Domingo, 2002)
„Kumbajei“ (Ilè Akwa, Santo Domingo, 1999; Circular Moves, 2001)
„Balbuceos“ (Ilè Akwa, Santo Domingo, 1994)

Ochy Curiel
„Marginal“ (Las Chinchetas, Santo Domingo, 1999)
„Ellas/Nosotras” (ochycuriel, Santo Domingo, 2002)

Edis Sánchez, „El Gurú“
„El Gran Poder de Díos“ (Drumayor, Santo Domingo, 2000)

Luis Díaz
„La Yola” (Diasong Inc., New York, 2002)

Patricia Pereya/Juan Francisco Ordóñez
„Cabaret Azul” (Tereke Disco, Santo Domingo, 2002)

Diverse
„Latinas – Women of Latin America” (Putumayo, 2000)

Diverse
„Mo' Vida“ (Putumayo, 2000)

Diverse
„Republica Dominicana” (Putumayo, 2000)

Kleines Glossar der Musik
von der Dominikanischen Republik

Palos
Ausgehöhlte Baumstämme, die mit Fell überzogen sind. Der Klang differiert aufgrund der unterschiedlichen Befestigungsformen, ob genagelt oder mit Schnüren gespannt. Die Palos sind meist hüfthoch und werden in Kombination mit zwei oder drei Palos gespielt.

Congos
Congos sind ebenfalls Trommeln, die jedoch in ihrer Größe variieren. Es gibt eine Haupttrommel, die die Rolle eines „Vorsängers“ übernimmt, und kleine, untergeordnete Congos, die auf die getrommelten Salve alternierend antworten, ähnlich wie bei einem Sprechgesang.

Salve
In seinem Ursprung kommt der Salve von der katholischen Tradition des „Salve Regina“, der jedoch inzwischen Elemente afrikanischer Religionsriten angenommen hat. Es ist eine gesungene ständige Wiederholung von Fürsprachen und Bitten, die von Trommeln begleitet wird. Salve spielt man beim Fest der Schutzheiligen, Beerdigungen und Trauerfeiern sowie Festessen auf dem Land.

Música de Gagá oder Rará
Der Gagá, wie er in der Dominikanischen Republik heißt, oder der Rará, wie er im Nachbar- und Herkunftsland Haiti genannt wird, findet in der Karwoche statt. In diesen Tagen ziehen die Protagonisten durch die Straßen und sammeln andere Teilnehmer der musikalischen Prozession ein, Musikgruppen, die sich bunte Tücher wie einen Rock um die Hüften gebunden haben und Pailletten besetzte Mützen und Jacken tragen. Diese sehr ländlichen Gruppen meist haitianischer Arbeitsmigranten in der Dominikanischen Republik benutzen fast nur Blasinstrumente, die aus Bambus hergestellt sind. Mittlerweile findet man auch umfunktioniertre Abflussrohre aus Plastik.

Szene Dominikanische Republik

Afro-karibische Trommelklänge von der Insel

Wer an Musik aus der Dominikanischen Republik denkt, dem fällt sofort Merengue und Bachata ein. Der Hink- oder Wiegetanz aus der Karibik hat in den Discos und Tanzschuppen der Republik inzwischen Furore gemacht. Die Plattenerfolge von Juan Luis Guerra, die Besuche der Enerolisa y el Grupo de Salve Mata los IndiosSonnenhungrigen aus Alemania in den All-Inclusive-Beach-Resorts auf der zweitgrößten Insel der Karibik und die Tanz-Crashkurse am Swimmingpoolrand sowie die Sommertourneen von Merengueros und Bachateros wie Kinito Mendez oder den Las Chicas del Can haben entscheidend dazu beigetragen. Die andere Musik, die traditionellen Rhythmen, die ein Teil der Bevölkerung noch immer pflegt, werden dagegen kaum oder gar nicht wahrgenommen.

Von Hans-Ulrich Dillmann

Als der dominikanischen Musikerin Xiomara Fortuna im März des vergangenen Jahres die „Casandra“, der Preis als beste Sängerin des Landes im Jahre 2001 verliehen wurde, waren einige Vertreter des Feuilletons des Landes empört. Mit rassistischem Unterton kritisierte der Kulturexperte der größten Tageszeitung „Listin Diario“, Orlando Gil, dass die farbige Roldán MármolKünstlerin keine kommerziellen Erfolge vorzuweisen habe. „Xiomara intoniert hauptsächlich Musik der Schwarzen“, empörte sich Gil in seinem gedruckten Aufschrei gegen den schlechten Geschmack. Der Mann muss gelitten haben, als er bei der Preisverleihung im Auditorium des Nationaltheaters, das man sonst nur mit ordentlichem Schuhwerk betreten darf, anwesend sein musste. Barfuß und beinahe kahlköpfig nahm die schwarze Musikerin den Preis in einem langen Gewand entgegen. „Wie eine Priesterin“, fand Gil und ein Verstoß gegen die Bekleidungsregeln der Kulturstätte. Und dann auch noch die Musik von Xiomara Fortuna, die auf eine unverkennbare Art und Weise afro-karibische Musiktraditionen mit Jazz verknüpft: „Es ist eine Zumutung, sich diese unkontrollierten Schreie anzuhören.“

Eine Frechheit, die nur zu verstehen ist, wenn man weiß, dass in dem Land, in dem rund 80 Prozent der EinwohnerInnen dunkelhäutig sind, die Mehrheit der Bevölkerung bei der Angabe zur Person ihre Hautfarbe Open-Air-Fest in Santo Domingovornehm als „bronze“ umschreibt, sich lieber als Nachfahren der spanischen Konquistadoren versteht und damit ihre afrikanischen Ursprünge verleugnet. „Negro“ möchte niemand genannt werden und schon gar nicht sein – trotz der eigenen Hautfarbe. Im Rundfunk und im Fernsehen hört man so gut wie nie „Música de los raíces“. Musikmanager und -produzenten lassen sie links liegen. „Trommelmusik“, „afrikanische Musik“, gilt als primitiv und rückständig. Nach der Eroberung der Insel durch den Konquistadoren Christoph Kolumbus rotteten die spanischen Eroberer die Urbevölkerung der Insel Quisqueya (Mutter Erde) oder Haití (Land der Berge) wie sie alternativ von den etwa 300.000 damals auf der Insel lebenden Taínos genannt wurde, innerhalb von fünfzig Jahren fast vollständig aus. Danach wurden afrikanische Sklavenarbeiter auf den Zuckerrohrplantangen eingesetzt. Und die brachten ihre religiösen und musikalischen Traditionen mit, die sie in der Illegalität ihrer armseligen Hütten pflegten und über die Jahrzehnte der Unterdrückung retteten.

Außergewöhnlicher Variantenreichtum an Rhythmen, Harmonien und Instrumenten

Wer im „Mutterland“ des Merengue eine andere Musikrichtung vertritt, hat es schwer, sein Auskommen als Musikerin oder Musiker zu bestreiten – und muss sich vieler, oft rassistischer Vorurteile erwehren. Dies musste und muss nach wie vor nicht nur die La Reverendafeministische Musikerin Xiomara Fortuna erfahren, die nach fast 25 Jahren endlich eine Ehrung erhielt, sondern auch jemand wie Patricia Pereira, die sich mit ihrer melodiösen Reibeisenstimme dem Blues verschrieben hat. Dies erleben jeden Tag alle Musikerinnen und Musiker, die nicht den Mainstream widerspiegeln: Davis Almengod und seine Band Maracandé, José Duluc, Edis Sánchez, Ochy Curiel oder Roldán Mármol, um nur einige bekanntere zu nennen. Von Europa aus betrachtet, leben diese allerdings im Schatten von Juan Luis Guerra, Kinito Mendéz, Toño Rosario oder Manuel Jiménez. Besonders die kleinen Gruppen, die noch immer die Tradition der Trommeln pflegen, wie einst ihre afrikanischen Vorfahren, sind vom offiziellen Musikgeschehen ausgegrenzt: Die Paleros de Nigua, Enerolisa y el Grupo de Salve de Mata los Indios, La Reverenda y los Congos de Villa Mella, Hermandad Cultural de Villa Mella, die von der Unesco zum oralen Weltkulturerbe erklärt worden sind, um auch hier nur eine Handvoll von Gruppennamen herauszuheben, stehen für die „Ursprungsmusik“.


zurück


Home


vor


!!!

Folker! - ...und jetzt wieder: über 40% sparen beim Folker!-Schnupperabo!
Also auf zur von-uns-für-euch-Schnupper-Abo-Test-Bestellung!

Mehr über die Dominikanische Republik
im Folker! 1/2003