backDies Lied ist mein Lied

Dies Lied ist sein Lied:
Hans-Eckardt Wenzel & BandHans-Eckardt Wenzel hat
nach Billy Bragg und Wilco
den zweiten Satz nachgelassener
Woody-Guthrie-Songs bearbeitet

Kontakt:
go! www.sansibarkult.de
Discographie:

Wenzel
„Stirb mit mir ein Stück“ (BuschFunk, 1987)
„Reisebilder“ (BuschFunk, 1989)
„Der Abschied der Matrosen vom
  Kommunismus“ (BuschFunk, 1993)
„Vollmond“ (BuschFunk, 1995)
„Armer kleiner Händi-Mann“ (BuschFunk, 1996)
„Lied am Rand“ (BuschFunk, 1997)
„Traurig in Sevilla“ (BuschFunk, 1998)
„Schöner Lügen“ (Conträr-Musik, 2000)
„Hanswurst und andere arme Würste“
  (Conträr-Musik, 2001)
„Grünes Licht“ (Conträr-Musik, 2001)
„Ticky Tock – Wenzel \ Woody Guthrie“
  (Conträr-Musik, 2003)

Wenzel u.a.:
„Hammer-Rehwü“ (BuschFunk, 1982/92)

Wenzel unterwegs:
16.01.03 Magdeburg. Feuerwache
17.01.03 Berlin, Tränenpalast
  (Record Release u.a. mit Nora Guthrie)
25.01.03 Rostock, Pumpe
01.02.03 Eisenach, ¿wo?
14.02.03 Dresden, Theaterkahn
15.02.03 Erfurt, Schotte
21.02.03 Stuttgart, Merlin
22.02.03 Berlin, Wabe
  (Festival des politischen Liedes)
27.02.03 Halle/Saale, Neues Theater
28.02.03 Plauen, Malzhaus
01.03.03 Rudolstadt, Saalgärten
05.03.03 Mölln/Ratzeburg, Folkverein
07.03.03 Flensburg, Folkverein
08.03.03 Seefeld, Seefelder Mühle
09.03.03 Oldenburg, Laboratorium

Billy Bragg oder Wenzel: Wer ist bekannter im Land? Der Brite, nicht ganz überraschenderweise. Aber man wird Wenzel noch kennen lernen! Und Woody Guthrie dazu. Dessen Lieder sind zwar auch hierzulande nicht ganz unbekannt – aber längst noch nicht bis in alle Facetten seines Werks erschlossen und gewürdigt. Damit das auch im nicht-amerikanischen Teil der Welt besser wird, hat Guthrie-Tochter Nora den Berliner Clown und Liedermacher Wenzel zu einem Album ins Deutsche übertragener Woody-Guthrie-Neuinterpretationen verführt. Flankierend gibt es vom Palmyra-Verlag eine Auswahl wichtigster Woody-Guthrie-Songtexte in Original und Übersetzung — mehr darüber weiß

Von Christian Beck

Es war in den Fluchten des Warner-Bros.-Hauptquartiers in Manhattan. Zwischen Wembley-Sticheleien der Sorte „Remember 66!“ und der stolzen Hans-Eckardt WenzelPräsentation von Frau und Kind, die als Fotos in seiner Brieftasche immer mit um die Welt fliegen. „Woody Guthrie als Mensch hätte dir nicht gefallen“, flüsterte Billy Bragg dem Autor dieser Zeilen dort Ungeheuerliches über den unantastbaren Helden der Arbeiterklasse ein: „So schlecht wie er seine Frauen behandelt hat, so einen Scheiß hat er sich auch um seine Kinder gekümmert.“ Tochter Nora, 52, könnte vielleicht ein Lied davon singen. Wenn sie ihn noch gesund hätte erleben dürfen. Und wenn sie überhaupt singen würde, wie Paps es sein gesundes Leben lang pflegte, natürlich. Aber sie tut's nicht – beziehungsweise fast nicht. Und sie hat eigentlich auch gar keine Zeit mehr dafür, seit sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Hinterlassenschaft ihres Vaters, des arbeitswütigsten Bänkelsängers aller Zeiten, zu erschließen.

Reim' dich – und ich sauf' dich
„Hard Travelin' – Das Woody Guthrie Buch“

„Dies Land ist dein Land, dies Land ist mein Land / von Kalifornien bis zur Insel von New York“: Der Verzicht auf Reime wie „my land / island“ ist und bleibt gewöhnungsbedürftig. Aber sonst hat bekanntlich noch nie jemand gewagt, etwas gegen Harry Rowohlts Übersetzungen zu sagen. Das wollen folglich auch wir hier nicht tun – und wozu auch? Kompetenter, präziser, stilsicherer wird's schwerlich gehen.

Vollständiger natürlich immer! Und deshalb hat Folker!-Chef vom Dienst Michael Kleff als Herausgeber der nun vom Heidelberger Palmyra-Verlag besorgten Neuauflage der rowohltschen Woody-Guthrie-Übersetzungen von 1977 denn auch kräftig zugelegt: mit Ergänzungen um einige der Texte, die Billy Bragg und Wilco für ihre beiden „Mermaid Avenue“-Alben ausgruben, eigenen Übersetzungen derselben sowie einem ausführlichen biographischen Essay zum Thema Woody, einem Interview mit Billy Bragg, einem Grußwort von Lou Reed, einer Guthrie-Würdigung durch Pete Seeger, Überlegungen Hans-Eckardt Wenzels zur gesellschaftlichen Bedeutung der Poesie des Folk-Übervaters.

Und natürlich gibt es auch Wenzels „Nachdichtungen“ zu „Ticky Tock – Wenzel \ Woody Guthrie“ – schon technisch genau die Alternativen zu Rowohlts eisenhart-supercoolen Reimverweigerern, die man sich irgendwie doch auch schon immer gewünscht hat: Singt Woody „Ashes to ashes and dust to dust / Show me a woman that a man can trust“ – macht Wenzel „Asche zu Asche und Dreck zu Dreck / lieb eine Frau und sie rennt dir weg“ daraus.

Das amtliche Guthrie-Grundlagenwerk für die kommenden Jahre – Original-Texte links, Übersetzungen schön übersichtlich rechts daneben – hat einen Umfang von 453 Seiten. Es enthält eine fünfseitige Auswahl-Bibliographie und eine CD, u. a. mit bislang unveröffentlichten Auszügen aus der CBS-Radiosendung „Back where I come from“ mit Woody Guthrie von 1940 und 1947, u.a. mit Cisco Houston, Pete Seeger, Sonny Terry, The Golden Gate Quartet, Burl Ives und Josh White.

CB

Die Woody Guthrie Foundation and Archives beackert die ehemalige Tänzerin und Choreografin im Verein mit Harold Leventhal unterdessen nach allen Regeln der Kunst. Zum Nutzen für den Ruf des Herrn Papa wie zum Gewinn für die Welt. Und nicht zuletzt auch zur künstlerischen Herausforderung ausgewählter zeitgenössische Künstler urbi et orbi. Die beiden „Mermaid Avenue“-Alben des britischen Politrockers Billy Bragg und der amerikanischen No-Depression-Kapelle Wilco vermittelten dem interessierten Publikum eine erste Ahnung von der Dimension der ungehobenen Schätze im Kosmos Woody Guthrie.  Künstlerisch über jeden Zweifel erhaben, entwickelten sie sich mit siebenstelligen Verkaufszahlen auch kommerziell zu erstaunlichen Erfolgen. Bereits zuvor war ein All-Star-Konzert unter dem Titel „Til We Outnumber 'em“ aufgenommen worden, mit Guthrie-Sohnemann Arlo, Bruce Springsteen, Ani DiFranco, Tim Robbins und zahlreichen anderen, sowohl der üblichen als auch der unüblichen Verdächtigen.

Nun kommt, Hand in Hand mit einem Band Übersetzungen ausgewählter Texte des Urvaters aller Singer/Songwriter auch die erste musikalische Neu-Bearbeitung fragmentarisch hinterlassener Lyrics in deutscher Sprache hinzu: Palmyra hat „Lindenstraßen-Treber“ Harry Rowohlts klassische Übersetzungen von 1977 durch eine Reihe aktueller Übertragungen Michael Kleffs und Hans-Eckardt Wenzels ergänzt. Und dessen „Nachdichtungen“ waren ja ohnehin mit Blick auf die Plattenveröffentlichung hin entstanden: Beim Berliner „Festival des politischen Liedes“ hatte Nora Guthrie Hans-Eckardt Wenzel im Februar 2000 kennen gelernt; ihre Anfrage, ob er interessiert sei, den Dust-Bowl-Chronisten für den deutschen Sprachraum neu zu erschlieþen, ließ nicht lange auf sich warten – die Antwort kam prompt.

Deine Augen

„Da sage ich ja immer erst mal blauäugig ja“, erzählt der Liedermacher aus dem in der Wolle etwas sozialistischer gefärbten Teil des Landes. Obwohl er in Sachen amerikanisches Liedgut im Allgemeinen und Woody Guthrie im Besonderen bis anhin an sich eigentlich ja eher unbeleckt, wenn nicht gar anti gewesen sei. „Ich bin nicht sehr stark mit dem amerikanischen Liedgut groß geworden“, erinnert sich Wenzel an das erste unmittelbare Gefühl angesichts der Anfrage: „Ich bin viel stärker von den romanischen Sprachen definiert. Deswegen hatte ich eigentlich erst einmal eine innere Barriere, das anzunehmen. Warum, dachte ich!? Du bist nicht so fit im Englischen und das ist eigentlich auch gar nicht deine Kulturtradition …“

Was Arbeiterklassen-Superheld Woody direkt betrifft, lagen die Dinge auf Wenzels Seite der Geschichte gewordenen DDR-Veranstaltung sogar noch krasser: „Er war zwar ein Thema, aber nur bedingt. Hans-Eckardt Wenzel & BandEr wurde instrumentalisiert, und das habe ich nie angenommen. Im Grunde hat er der DDR bewiesen, dass es in Amerika Unrecht gibt – und damit war er, wenn man es unter dem rein künstlerischen Aspekt betrachtet, für mich erst mal versperrt. Er war ein Instrument, und das hat eine gewisse Ignoranz bei mir ausgelöst, so dass ich mich mit ihm eigentlich gar nicht besonders beschäftigt habe.“


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im Folker! 1/2003