backMarkenzeichen: rauchige Stimme und klare Texte

Mary Gauthier

Lieder über Tunten in Limousinen, Nonnen in Jeans und philosophierende Trinker

go! www.marygauthier.com
Discographie:

„Dixie Kitchen“ (Munich Records,
  1997 USA, 2002 Deutschland)
„Drag Queens in Limousines“
  (Munich Records, 2001)
„Filth & Fire“ (Munich Records, 2002)

Vor fünf Jahren noch war Mary Gauthier stolze Restaurant-Besitzerin in Boston. Doch dann entdeckte sie ihr Songwritertalent und verkaufte ihr Lokal „Dixie Kitchen“, um sich ganz der Musik zu widmen. Inzwischen hat sich die 40-Jährige als talentierte Newcomerin in der US-Folk- und Country-Szene einen Namen gemacht. Ihr Markenzeichen sind ihre etwas rauchige Stimme und ihre klaren und gleichzeitig sehr einfühlsamen Texte über die Außenseiter der Gesellschaft.

Von Gudrun Zercher

Mary Gauthier – deren Nachname auf Amerikanisch go-shay ausgesprochen wird – hat eine bewegte Jugend hinter sich. Mit 15 Jahren brach sie die Highschool ab und brannte mit dem Auto ihrer Eltern durch. Auf der Suche nach Menschen, denen sie sich zugehörig fühlte, ließ sie ihre Heimat im Süden der USA, in Thibodaux/Louisiana, hinter sich und lebte bei Freunden und zeitweise auf der Straße. Ihren 16. Geburtstag verbrachte sie in einer Entziehungsklinik und als sie 18 wurde, saß sie in einer Gefängniszelle. Der Versuch ihrer Eltern, sie wieder nach Hause zurückzuholen, brachte keinen Erfolg. Die junge Mary klaute bei nächster Gelegenheit wieder das Auto, um diesmal ihrem Elternhaus endgültig den Rücken zu kehren.

Mary GauthierDann kam die Wende: Innerhalb von zwei Jahren schaffte es Mary Gauthier dem Alkohol und den Drogen abzuschwören. Die ehemalige Schulabbrecherin begann an der Louisiana State Universität Philosophie zu studieren. Später wechselte sie an die Cambridge School of Culinary Arts, um anschließend in Boston ihr Restaurant zu eröffnen, für das sie mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde. Ihre erste CD, die sie 1997 in den USA veröffentlichte, heißt wie ihr früheres Lokal: „Dixie Kitchen“.

Folk- oder Country-Musikerin?

Trotz ihrer frühen Anstrengungen, sich vom Elternhaus zu lösen, ist vor allem auf diesem Erstlingswerk Gauthiers starke Verbundenheit zur Country-Musik des amerikanischen Südens deutlich zu hören. Bei ihren darauf folgenden zwei CDs ist der Country-Einfluss merklich zurückgegangen. Schon auf ihrem zweiten Album „Drag Queens In Limousines“, das 2001 erschien, klingt sie eher wie eine Folk-Liedermacherin. Diese zweite CD hat ihr einen kleinen Durchbruch beschert, seither ist sie auf diversen einschlägigen Festivals in den USA ein gern gesehener Gast. Der Titel ihres im vergangenen Jahr veröffentlichten Albums „Filth & Fire“ steht symbolisch für das reinigende Feuer und die Veränderungen im Leben von Mary Gauthier.

Auf der Bühne tritt sie übrigens immer alleine mit ihrer Gitarre und Mundharmonika auf, während sie sich auf ihren CDs mit Mandoline, Fiddle und anderen typischen Country-Instrumenten umgibt.


MARY GAUTHIER
Dixie Kitchen

(Munich Records MRCD 214)
10 Tracks, 37:07; mit Texten

Fast fünf Jahre nach dem Erscheinen von Mary Gauthiers Erstlingswerk in den USA, kommt „Dixie Kitchen“ jetzt auch auf den europäischen Markt. Dieses Album ist ihr persönlichstes. Es zeigt deutlich, dass ihre musikalischen Wurzeln in der Country-Musik liegen und in Liedern, die sich hauptsächlich um die Liebe drehen. Erste Ansätze ihrer eigentlichen Stärke, ihrer Fähigkeit, das Leben von sozialen Außenseitern mit klaren und einfühlsamen Worten zu beschreiben, ohne sie zu verurteilen oder zu verklären, sind jedoch auch auf dieser CD schon zu erkennen. In den Stücken „Goddam HIV“ und „Skeleton Town“ beschreibt sie beispielsweise das Schicksal von zwei Aidskranken. Diese Fähigkeit sowie ihre leicht rauchige Stimme, die klingt, als habe sie schon alles erlebt, hat ihr Anerkennung in der Welt der alternativen Country- und Folkszene eingebracht. 1998 wurde die CD für den Boston Music Award in der Sparte „Best New Contemporary Folk Act“ nominiert. „Dixie Kitchen“ ist ein interessantes Album für die Fans von Mary Gauthier, die ihre musikalischen Anfänge kennen lernen wollen. Hier ist sie in manchen Stücken sehr flott, lebhaft und kraftvoll zu erleben. Ihr bestes Werk ist es jedoch nicht. Das sieht sie wohl selbst auch so: „Ich habe inzwischen gelernt, aus meinem Sprachschatz besser auszuwählen. Jetzt erreiche ich mit weniger Worten eine größere Tiefe im Ausdruck.“ Außerdem ist das lebhafte Country-Element in ihrer Musik zugunsten einer ruhigeren Vorstellung zurückgetreten, die ihre ausdrucksstarke und vielseitige Stimme besser zur Geltung bringt.

Gudrun Zercher


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im Folker! 1/2003