backMr. Ruhrgebiet

Frank Baier

Sänger, Musiker, Sammler & Songpoet

go! www.mr.ruhrgebiet.frank-baier.de
Discographie:
(Auswahl)

Frank Baier:
„Gitarre vorm Bauch“
  (Schwann-Studio Düsseldorf, 1971)
„10 Jahre danach – Lieder aus dem
  Theaterstück Eurovia“ (Pläne, 1979)
„Auf der Schwarzen Liste“ (Pläne, 1981)

Kattong:
„Schneller als du denkst lernst du das
  Zittern“ (schwann-studio Düsseldorf, 1971)
„Stiehl dem Volk die Geduld“
  (schwann-studio, Düsseldorf, 1972)
„Rotes Liebeslied“ (Juso in der SPD-NRW, 1972)

BaierWestrupp:
„Dat muß doch auch wat Späßken bringen”
  (Pläne, 1976)

Walter h.c. Meier Pumpe:
„Walter h.c.Meier Pumpe“ (EMI Elektrola, 1976)

Frank Baier, Fasia Jansen, Werner Worschech,
  Gut-Ton-Bandoneon-Orchester u.a.:
„Mein Vater war Bergmann – Bergarbeiterlieder“
  (Pläne, 1978)

Frank Baier & Mesut Cobancaoglu :
„Türkisch-deutsche Lieder – Warum seufzt du,
  Wasserrad?“ (Pläne, 1986)
„Als die Mieter frech geworden – Lieder aus
  der Rheinpreußensiedlung“
  (Wohnungsgenossenschaft Rheinpreußen eG , 1989)

Hugo Ernst Käufer& Frank Baier:
„Kartoffelkrautfeuer“ (open ear, 1998)

Franky & Johnny:
„Franky & Johnny. Straßenmusik – Skiffle“
  (Eigenvertrieb, 2001)

Auswahl-Bibliographie:

Frank Baier 1997Frank Baier & Detlev Puls (Hsg):
„Arbeiterlieder aus dem Ruhrgebiet“
  Texte und Noten mit Begleit-Akkorden.
  Fischer-Verlag, 1981

Jens Peter Müller & Frank Baier:
„Ukulelen – Schule“
  Mit Liedern und Spielerein, Griffen und Tricks,
  mit CD. Eres Edition, Bremen 1996

ROBERT VON ZAHN (Hrsg.):
„Folk und Liedermacher an Rhein und Ruhr“.
  Agenda-Verlag, Münster 2002
Beiträge u.a. von Frank Baier : „Ruhrgebiet – Leben,
  Kämpfen, Solidarisieren“
  (s.a. Buchrezension in dieser Ausgabe)

Frank Baier 1960Frank Baier wurde am 12. Februar 1943 in der Nähe von Braunschweig geboren. Seit 1949 lebt der als „Pottpoet“ und „Ruhrgebietsbarde“ bezeichnete Musiker, Liedermacher und Liedersammler im Ruhrgebiet. In den vergangenen 30 Jahren machte er sich einen Namen als Sänger historischer und zeitgenössischer Lieder des Ruhrgebietes, deren Inhalte stets literarisch wie politisch waren. Im Laufe der Jahre war er durch seine Zusammenarbeit mit madegassischen und türkischen Liedermachern Mittler zwischen den Kulturen. Für den Folker! lässt Frank Baier die wichtigsten Stationen seines Musikerlebens Revue passieren.

Von Ulrich Joosten

Seine Wurzeln liegen in Essen: „Opa bei Krupp, Vatter bei Krupp und ich war auch bei Krupp inne Lehre, in der Gießerei. Ich bin mit den Blagen von Bergleuten und Krupparbeitern groß geworden. Unsere Sprache war ‚Ruhrpott' von klein auf – Straßenslang – geprägt von den Segern* um uns, von Fördertürmen, Köttelbecke** und Regen aus Kohlenstaub.“

Sein erstes Instrument war die Mundharmonika, mit elf Jahren lernte er die Ukulele bei den Pfadfindern: „Wir hatten unterwegs beim Trampen immer die Ukulele am Gepäck und sangen, was das Zeug hielt. Später irgendwann hörte ich Wolf Biermann im Radio die ‚Ballade vom Nigger Jim' singen. Der spielte Ukulele! Am Anfang sangen wir doch alle Bob Dylan, mit Mundharmonika auffm Bügel. Um 1968 habe ich angefangen, eigene Texte und Lieder zu machen. Auslöser dafür waren die Waldeck-Festivals. Ich war ja bereits mit elf Jahren – durch die Jugendbewegung – zum ersten Mal auf der Burg Waldeck. Dann habe ich ab 1965/66 die Festivals und dabei u.a. die erste Generation der deutschen Liedermacher wie Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp, Walter Moßmann, Hannes Wader miterlebt. Das hat mich geprägt …“

Skiffle

1960/61 war „Skiffle“ das Zauberwort. Es gab eine große Skiffleszene im Ruhrgebiet. In Essen-Frohnhausen entstand die „Saints Rambler Skifflegroup“, mit Frank Baier als Frontsänger – natürlich mit Ukulele. Skifflemusik war im Grunde die erste deutschsprachige Protestsongbewegung, bei den Ostermärschen im Ruhrgebiet. In dieser politisch bewegten Zeit arbeitete Baier bei Krupp als Werkstoffprüfer und machte über den zweiten Bildungsweg später seinen Ingenieur: „Ich wollte aus dem Blaumann rauskommen.“ Es war die Zeit des Aufbruchs deutscher Liedermacher, und nach den Initialzündungen durch die Waldeck-Festivals und die Essener Songtage '68 startete er mit eigenen Liedern und Texten. Er hörte die Sängerin Fasia Jansen mit den 4 Conrads Blues & Skiffle singen. Fasia war eine in Deutschland aufgewachsene Farbige, die zusammen mit dem Texter Gerd Semmer und dem Liedermacher Dieter Süverkrüp begonnen hatte, politische Lieder zu schreiben. Die 4 Conrads aus Düsseldorf waren die ersten Musiker, die Skiffle und politisches Lied verbanden.

Frank Baier 1980Die Zeit nach der Waldeck

„Als die Ära der Waldeck-Festivals 1968/69 zu Ende ging, begannen wir, von der Wiese runter in die Städte zu gehen und weiterzumachen und Festivals zu organisieren, in Mainz, in Tübingen, Nürnberg usw. – später auch in Duisburg. Auf der Waldeck war zuletzt eine Gegenströmung aufgekommen, die forderte, dass man nicht singen, sondern diskutieren solle. Da hab ich dann angefangen, zu singen und nicht zu diskutieren. Auf der Waldeck hatte ich Walter Westrupp und Bernd Witthüser wieder getroffen – später bekannt als das Duo Witthüser & Westrupp. Die beiden kannte ich ja bereits vorher von der Skiffleszene. Dadurch waren die letzten Weichen für das gestellt, was ich später machen würde …“

Neben Mundharmonika und Ukulele hatte Baier mittlerweile noch Banjo und Gitarre gelernt: „Ich begann, Texte und Musik zu schreiben. Meine musikalischen Schrittmacher waren sicherlich auch Witthüser & Westrupp. Bernd Witthüser war der erste Liedermacher, der erste Barde im Ruhrgebiet überhaupt. Er hat damals Thomas-Rother-Texte aus dem Buch ‚Das Arschleder zwickt' vertont und gesungen, diese ganzen Lieder von der ‚Zeche Amalie' und ‚Das kleine Lied des kleinen Revolutionärs' usw. Die Formation Witthüser & Westrupp boomte los und ich habe u.a. in meinen Konzerten einige Lieder und frühe Werke von Bernd Witthüser gesungen. Durch ihn habe ich also das Handwerk gelernt, selber Musik und Text zu schreiben. Das war für mich der Einstieg.“


* Seger, von „Segeroth“ = früher verkommener Stadtteil (Bronx) in Essen, wo die „Miete mit'm Panzer kassiert wird und der Papst auf Rollschuhen boxt“ (Volksmund für Kerl)
** Köttelbecke = Volksmund für die verunreinigten Klärbäche bzw. Emscher-Nebenflüsse

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im Folker! 1/2003