back"'Twas then when the Hurdy-Gurdy man came singing songs of Love"

Jake Walton

Keltischer Barde aus Cornwall

"Aus finanziellen und anderen Gründen werden manche Musiker gezwungen, Kompromisse in musikalischer Hinsicht zu schließen. So werden sie dann ein Teil des star system und des Kommerz. Da geht das meiste des Wertes, der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Musik verloren, es kommt also auf den einzelnen Musiker an. Er muss sicherstellen, dass alles seinem Grundmotiv entsprechend, der Liebe zu den Dingen selbst, gehandhabt wird. Das gilt eigentlich für alles, nicht nur für Folkmusik. Ja, und dann ist da noch die Tendenz, dass die Leute für alles eine Schublade brauchen, z.B. Folk, Rock, Jazz usw. Und dabei vergessen sie dann, einfach der Musik zuzuhören." ("Michel Folkzeitung", 1. Jahrgang, Nummer 0, 1977)

Discographie

Roger Nicholson: "Gentle Sound Of The Dulcimer" (Argo, 1974)
Roger Nicholson/Jake Walton & Andrew Cronshaw:
  "Times And Tradtitions For The Dulcimer" (Trailer, 1976)
Jake Walton: "The Gloaming Grey" (Folk Freak, 1979)
Jake Walton: "Sunlight And Shade" (Folk Freak, 1983)
Jake Walton & Jez Lowe: "Two A Roue" (Fellside, 1986)
Jake Walton: "Songs From The Gurdy-Man" (Wundertüte, 1983-90)
Jake Walton et al.: "The Irish Folk Festival-Jubilee" (Wundertüte, 1991)
Jake Walton: "Beyond The Veil" (EP, T.B.C., 2000)
Jake Walton: "Emain" (Wundertüte, 2000)

Bezug/Kontakt:
Jake Walton Music
P.O. BOX 2
WADEBRIDGE, PL27 6YJ

Jake Walton ist nie ein Teil des star system geworden. Der am 28. August 1947 in Nottinghamshire geborene Songpoet ist auch 25 Jahre nach seinem obenstehenden Statement immer noch eher ein Geheimtipp, der sich, seinen Idealen und seiner Musik treu geblieben ist. Auch, wenn er heute die Hurdy-Gurdy, die Drehleier, als sein Hauptinstrument betrachtet und nicht den Dulcimer, mit dem alles begann. "The quiet revolution" titelte der Melody Maker seinerzeit über die Musik und die Spielweise auf der Dulcimer-LP mit dem Titel "Gentle Sound Of The Dulcimer", die Walton mit Roger Nicholson und Gerry Roff eingespielt hatte.

Von Ulrich Joosten

Jake Walton stammt "aus einer ländlichen Gemeinde, die von Kohlengruben umgeben war und nahe den industriellen Midlands lag. Meine Sommerferien verbrachte ich immer in Cornwall, und das war der Anfang einer lebenslangen Verbundenheit zu diesem Landstrich. Von früher Jugend an war dies meine Wahlheimat." Jakes Eltern spielten kein Instrument, seine ersten Folkmusik-Einflüsse kamen aus dem Radio und von alten 78er-Platten, die mit einem "Aufzieh"-Grammophon abgespielt wurden. "Als ich etwa vier Jahre alt war", erinnert sich Walton, "hatte ich auch eine rote Plastikgitarre mit vier Saiten, aber die konnte man nicht vernünftig stimmen, also habe ich meist nur gesungen, anstatt darauf zu spielen. Ich lernte die Songs, die ich im Radio hörte, Kinderlieder und amerikanische Country-Songs."

Musik voll Poesie und Magie ... auf der Gitarre

Während des Folkrevivals der 60er Jahre lebte Walton ein musikalisches Doppelleben. Einerseits spielte er Drums in Rockbands, während er andererseits in der Folkszene Songs zur akustischen Gitarre sang. "Ich traf Künstler, die mich sehr beeinflussten, Leute wie Wizz Jones, Michael Chapman, Clive Palmer, Noel Murph und Ralph McTell" (der seinerseits dem stillen Barden eine bewundernde Würdigung ins Booklet seiner aktuellen CD "Emain" geschrieben hat). "Die Musik damals wurde durch Künstler wie Bob Dylan, Tom Paxton, Joan Baez und Woody Guthrie sehr amerikanisch beeinflusst", erinnert sich Walton, "aber das britsche Revival holte schnell auf mit Gruppen wie Pentangle, der Incredible String Band oder Solisten wie Donovan und Bert Jansch, zwei sehr wichtige Einflüsse für mich (und für viele andere zu dieser Zeit). Es war ihre Art und Weise, Gitarre zu spielen, die mich dazu brachte, Fingerstyle-Gitarre zu lernen und mich mit keltischen Traditionen und dem Songschreiben zu beschäftigen." Donovans verträumtes Album "Sunshine Superman" öffnete Jake Walton die Welt der keltischen Mythen und Legenden. Jakes Stimme erinnert ein wenig an die Donovans, obwohl er nicht versucht, "so wie Donovan zu klingen. Ich habe meinen eigenen musikalischen Ausdruck entwickelt und kann von mir heute behaupten, meinerseits Donovan beeinflusst zu haben." Der hielt irrtümlich Waltons Song "Celtic Benediction" für ein Traditional und brachte ihn auf seiner Comeback-CD "Sutras" unter dem Titel "Deep Peace" heraus. "Donovan zeigte sich sehr großzügig und überließ mir 50 Prozent der Royalties für den Song. Ich kann nun also glücklich sterben in dem Bewusstsein, mit Donovan zusammen einen Song geschrieben zu haben."

... auf dem Dulcimer und der Drehleier

Den Dulcimer hörte Jake erstmals Ende der 60er Jahre in einem Folkclub namens "The Peelers" in London, als er Roger Nicholson darauf spielen sah. "Was mich daran faszinierte, war, dass Roger, statt traditionelle amerikanische Musik darauf zu spielen, seine eigene Fingerstyle-Technik entwickelt hatte und damit traditionelle englische und irische Musik spielte und auch klassische und alte Musik. Roger und ich wurden zu Freunden und nahmen zusammen einige Dulcimer-LPs auf. Damals gab es vor allem in Frankreich ein großes Dulcimer-Revival. Wir wurden viele Male eingeladen, dort zu spielen." In Paris gab es eine sehr umtriebige Folkszene, fast schon unvermeidbar, dass Jake Walton dort eine Drehleier zu Ohren bekam. "Ich hörte Gruppen wie Malicorne und Melusine, die Drehleiern verwendeten, und wurde sofort süchtig nach dem Instrument. Meine erste Drehleier war eine kleine, mittelalterliche Kastenleier, deren Möglichkeiten sehr begrenzt waren, weil sie nur eine diatonische Tastatur hatte und keine Schnarrsaite. Ein Instrumentenbauer namens Mick Lynch hat sie gebaut, der war vermutlich der einzige Instrumentenbauer in London, der solche Instrumente herstellte. Durch meine Kontakte nach Frankreich lernte ich einen guten Drehleiernbauer namens Christian Laborie kennen, der am Fuß der Alpen lebte. Von ihm kaufte ich meine erste gute Drehleier, ein Modell mit klassischem, gitarrenförmigen Korpus."

Der englische Drehleiernvirtuose Nigel Eaton sah und hörte sein künftiges Instrument zum ersten Mal in einem Konzert von Jake Walton. "Ich habe für die BBC ein Radioprogramm über die Drehleier gestaltet, und Nigel und sein Vater Chris hörten die Sendung und kamen bald darauf bei einem meiner Gigs vorbei. Wir wurden Freunde. Kurze Zeit darauf begann Nigels Vater, hauptberuflich Drehleiern zu bauen und Nigel spielte in kürzester Zeit viel besser als ich. Ich spiele heute ein Instrument, das Chris gebaut hat."


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im Folker! 4/2002