backLuv n'Haight

10 Jahre Ubiquity

Ein Label feiert Geburtstag

Die Folker!-Gratulations-Abordnung nach San Francisco kam zu früh. Einen Tag zu früh. Denn am letzten Samstag im November – zwei Tage nach dem eigentlichen Geburtstag – sollte die große Geburtstagsparty starten. Der Rückflug aber war für den Tag davor gebucht. Fest gebucht. Wurde also nichts aus einem zünftigen Fest mit noch zünftigerer Musik. Gelohnt hat sich der Besuch dennoch.

Von Luigi Lauer

Cubop-CDs werden in Deutschland
von Groove Attack vertrieben.

Eine Auswahl:

Dave Pike, Peligroso, CBCD 032
Snowboy & The Latin Section, ...play Afro Cuban Jazz, CBCD 026
José Rizo, Jazz On The Latin Side Allstars, CBCD 029
V.A., Viva Cubop!, CBCD 023
Ray Armando, Mallet Hands, CBCD 031
Johnny Blas, King Conga, CBCD 022
Francisco Aguabella, H2O, CBCD024
John Santos & Machete, Tribute To The Masters, CBCD 025

Schon vor dem Stammsitz von Ubiquity packen die Folker!-Adleraugen Doris und Uli Joosten die Kamera aus: Es ist das auffälligste Gebäude in der Straße. Funktional und symmetrisch, könnte es auch ein Bauhaus-Gebäude Dessauer Denkweise sein. Innen dann Platzverschwendung wie in einem leeren Ballsaal. Und das in einer Gegend, die nicht gerade zu den Attraktionen San Franciscos gehört, und in der sich schon mal acht Latinos ein Zimmer teilen. Shoppingcar-People, so nennt man hier die Obdachlosen, trifft man an jeder Ecke.

Mit einem Sprung rette ich mich ins Haus. Nicht, weil ich von Gaunern bedroht werde. Sondern weil ich endlich mal wieder mit Genuss rauchen will. Einfach ist das nicht in Kalifornien, keine Bar, nicht mal ein Nachtclub, in dem man das darf, selbst die Straßentische der Cafés sind rauchfrei. „Darf ich?“, ist meine erste Interview-Frage an Vinnie Esparza. Ich darf. Vinnie ist Presse- und Promotionchef bei Ubiquity, und es macht ihm sichtlich Spaß, die Firmengeschichte zu erzählen, während ich den Salon in Nebel tauche: „Jody und Michael McFadin, beide DJs zu der Zeit, kamen während ihrer Hochzeitsreise auch nach San Francisco und verliebten sich in die Stadt. 1989 eröffneten sie auf der Haight Street einen Plattenladen namens Groove Merchant. Den gibt's heute noch.“ – Soso, die Haight Street. Sie ist zwar frei von Grachten, erinnert aber ansonsten viel mehr an Amsterdam als an irgendeine amerikanische Stadt. Eng, bunt, niedrige Gebäude, verrückte Dekorationen, flippig-freakiges Publikum. Leider keine Coffee-Shops, aber trotzdem klasse. Fanden wohl auch die McFadins, denn das Label, das sie 1990 gründeten, nannten sie Luv n'Haight. „Durch die Arbeit im Laden merkten sie bald, dass bestimmte, begehrte Platten entweder gar nicht oder unverschämt teuer oder nur als Bootlegs zu kriegen waren – von denen die Künstler natürlich keinen Pfennig sahen. Jody und Michael fingen an, Compilations zusammenzustellen mit Jazz, Funk und Soul, teilweise sogar nach Kundenwünschen, und brachten diese in Lizenz heraus.“ Ein Nischengeschäft also, für DJs und Vinylsammler. Zwei Jahre später wird Ubiquity gegründet mit dem Ziel, lokalen Acid-Jazz-Bands eine Plattform zu bieten. Die Compilation „Home Cookin'“ und das Album „Freestylin'“ von DJ Greyboy setzen Maßstäbe für das Genre und verkaufen sich entsprechend. Die Bandbreite wächst weiter und es wird endgültig klar, welche Richtung man einschlagen will: nämlich keine. Bis heute hat man bei Ubiquity große Freude daran, Platten zu produzieren, von denen der Händler nicht weiß, in welches Regal er sie stellen soll.


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