backScotland's sexiest sound

Shooglenifty

Die Band aus Edinburgh experimentiert seit rund zehn Jahren mit folknaher Tanzmusik

In enger schwarzer Lederhose stolziert Bassist Conrad Ivitsky über die Bühne und weiß, dass er der Frauenschwarm ist. Gitarrist Malcolm Crosbie dagegen ist ein unscheinbarer Typ, der bescheiden und introvertiert in seiner Ecke stehen bleibt. Ein Bild, das viel über die schottische Band Shooglenifty aussagt. Shooglenifty spielen keinen Folk-Rock mit krachenden Gitarren, sondern Acid-Folk, eine ganz eigene Form von postmoderner folknaher Tanzmusik.

Von Christian Rath

Shooglenifty sind „Scotland's sexiest sound“, wie das Management – ohne Übertreibung – verkündet. Ein sechsköpfiges Kollektiv, bei dem Geige und Mandoline meist die Melodie tragen, während Banjo, Gitarre, Bass und Schlagzeug die komplexen und oft hypnotischen Eigenkompositionen unterfüttern. Der Beitrag der einzelnen Instrumente ist subtil, das Gesamtprodukt raffiniert. Auch Bass und Schlagzeug spielen keine stumpfen Dancefloor-Rhythmen.

Discographie

Venus In Tweeds, 1994, Greentrax/FMS
A Whisky Kiss, 1996, Greentrax/FMS
Live At Selwyn Hall, Box, 1996, Real World (nur Import)
Solar Sheats, 2000, Vertical/Indigo

Dabei ist der Acid Folk von Shooglenifty durchaus von Techno und anderer elektronischer Tanzmusik inspiriert. „Bei uns kommen die Loops aber nicht vom Band, sondern werden von Menschen gespielt“, betont Garry Finlayson, der Banjo und Banjax spielt. Das Banjax ist ein selbst entwickeltes elektronisches five-string-Banjo, das Effekte erlaubt, die mit einem akustischen Banjo nicht möglich wären. Auf der zweiten CD „A Whiskey Kiss“, die in einem alten Landhaus produziert wurde, arbeitete man auch viel mit Raumeffekten. So wurde die Schlagzeug-Spur bei manchen Stücken in einer engen Toilette aufgenommen.

Noch mehr in den Vordergrund rückte die Elektronik auf Shoogleniftys neuer CD „Solar Sheats“, die jetzt auch in Deutschland in den Handel kommt. Die Band hat mit ihrem Stammproduzenten Jim Sutherland mehrere Monate im Studio verbracht und am Sound gebastelt. Samples aller Art „von Bahnhofsgeräuschen bis zum Klang einer Verkehrsampel“ wurden eingearbeitet. Shooglenifty ist damit popmusikalisch sicher auf der Höhe der Zeit – allerdings kommt die für die Band so typische Spielfreude nicht mehr so recht zum Ausdruck. Es wurde wohl mehr mit den Reglern als mit den Instrumenten experimentiert.

Schon seit 1990 ist das Sextett aus Edinburgh in unveränderter Besetzung zusammen. Und auch davor spielten die meisten Musiker bereits gemeinsam in einer anderen Band, der Psycho-Bluegrass-Gruppe „Swamptrash“. Doch anders als Swamptrash hat Shooglenifty keinen Sänger, sondern ist eine reine Instrumental-Band. Man traf sich zuerst zu wöchentlichen Sessions in einem Edinburgher Pub, dann kamen aber immer mehr Zuhörer und die Verstärker wurden immer größer. „Also beschlossen wir, richtig aufzutreten“, erinnert sich Gitarrist Malcolm Crosbie an die Anfänge von Shooglenifty.

Dem Session-Konzept blieb man aber doch verbunden. Denn die Band probt kaum. Die Stücke und Arrangements entstehen oft erst auf der Bühne, und so ist jedes Konzert ein Unikat. „Nur was funktioniert, behalten wir bei“, beschreibt Garry Finlayson die Arbeitsweise der Band. Dabei reden die sechs von Shooglenifty kaum über ihre Musik. Für Finlayson ist dies ein Erfolgsrezept der Gruppe.


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