backUnterwegs und doch daheim

Diane Ponzio

Über eine „Kaufhaus-Gitarre“ zur Repräsentantin von Martin Guitars

Kennen wir doch, mag der geneigte Leser gleich denken. Das sind doch wieder die Sprüche, wie sie im Presseinfo jedes Künstlers immer und immer wieder zu lesen sind: Nicht nur hervorragende Sängerin, nein, auch eine exzellente Gitarristin. Ausdrucksstarke Stimme und ausgefallene Gitarrenarrangements sind ihr Markenzeichen. Und so weiter und so weiter ... Wollen wir mal klarstellen: Hier stimmt es wirklich mal!

Kontakt:

JF-Konzertbüro
Joachim Fischer

Ravensburgstr. 16
74336 Brackenheim

Tel.: 0 71 35/24 05
Fax: 0 71 35/1 65 03
E-Mail JFKonzerte@aol.com
go! www.dianeponzio.com

Discographie

CD „Day In, Day Out“
    1992, Soulfeggio Music (nicht mehr erhältlich)
CD „Army Of Angels“
    1995, Stockfisch
CD „Live At Master Sound Astoria“
    1997, Soulfeggio Music
CD „Something personal“
    1999, Soulfeggio Music

Tournee-Termine:

02.03. Weinheim, Muddys Club
04.03. Berlin-Wilmersdorf, Flöz
05.03. Berlin-Wittenau, Bluebird-Café
12.03. Bad Neustadt, Bildhäuser Hof
14.03. Würzburg, John Barleycorn Pub
15.03. Heilbronn, Altes Theater
16.03. Hamm, Friedensschule
18.03. Berlin-Kreuzberg, Junction Bar
21.03. Ulm, Roxy
22.03. Lahr, Stiftsschaffneikeller
23.03. Keltern, Löwensaal
24.03. Aalen, Café Podium
25.03. Kirchheim/T., 3-Königs-Keller

Die ersten Szenen eines typischen Diane-Ponzio-Konzerts stellen sich so dar: Gitarrenkoffer in der Hand, Rucksack auf dem Rücken, betritt eine auf den ersten Blick eher unspektakuläre Frau den Raum. Zahllose Umarmungen, freundschaftliche Gesten, echte Wiedersehensfreude folgen. Mutet wie ein Verwandschaftstreffen an und ist doch nur die Ankunft der Künstlerin am Auftrittsort.

Von Michael Pohl

Ein kurzer, aber entschlossen kritischer Soundcheck vor Ort zeigt bereits, dass trotz ausrüstungstechnischer Schlichtheit nicht Schlendrian sondern Perfektionismus angesagt ist. Schließt der Zuhörer die Augen und läßt die Seele baumeln, so ist er versucht, sich in eine Bar-Atmosphäre hineinzufühlen, wie man sie eigentlich nur aus amerikanischen Spielfilmen kennt. Die Stimme weckt streckenweise Erinnerungen an kräftige, schwarze Sängerinnen wie Aretha Franklin. Sehr emotional, mal betont leise, mal aggressiv laut, die Aufmerksamkeit des Publikums bleibt stets der Sängerin gewidmet. Das italienische Temperament der Großeltern läßt sich nicht leugnen, ein echtes Energiebündel. Die Lieder treten stufenlos fließend aus den erzählerischen Einleitungen hervor, ein charakteristisches Gestaltungsmittel, das Diane Ponzio auch auf ihrer aktuellen CD „Something Personal“ perfekt einsetzt. Aber lassen wir die Musikerin doch selbst berichten.

Die Wurzeln eines Künstlers und seiner Musik sind oft mit seiner Biographie untrennbar verbunden.

Stimmt genau. Ich bin in New York geboren und aufgewachsen. Diese Stadt hat meine Persönlichkeit wohl am stärksten geprägt und in mir schon früh den Wunsch geweckt, Künstlerin zu werden. Die üblichen Auftritte im Familienkreis folgten. Paradoxerweise musste ich mich anfangs, so mit 13 Jahren, mit einer Kaufhausgitarre begnügen, da mein Vater gute Musikgeschäfte „mied“. Schlimm, aber dennoch liebte ich sie und übte auf ihr fleißig Akkorde. Der Besuch der wohl bekanntesten New Yorker Künstlerschule, kurz „Fame“ genannt, brachte mir dann das nötige Rüstzeug, um auf der Bühne bestehen zu können. Der Wunsch, mit einem anschließenden Mathematikstudium sicheres und gutes Geld zu verdienen, zerschlug sich sehr schnell und nachdem mir Freunde die erste Martin-Gitarre gekauft hatten, begann meine Zeit in der New Yorker Clubszene. Ja, und irgendwann wurde daraus ein Fulltime-Job. Das Gitarrespielen habe ich mir nahezu selbst beigebracht, zum Singen habe ich Unterricht genommen. Dabei habe ich gelernt, den Körper als Instrument zu sehen, was mich nicht nur gesangstechnisch, sondern auch für meine heutige, emotionale Singweise schulte.

Als offizielle Repräsentantin der Martin Guitar Company, der Referenzadresse in Sachen „akustische Gitarre“, eilst du von Workshop zu Workshop. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Ich habe einen Brief an Martin Guitar geschrieben, nach dem Motto „...wenn ihr mal einen geeigneten Künstler braucht ...“. Und völlig überraschend „brauchten“ die mich wirklich. Diane PonzioDas hat mir dann auch gleich die Tür nach Europa und nach Deutschland geöffnet. Erste Konzerte in diversen Musikfachgeschäften und Fachmessen brachten die nötigen Kontakte für weitere Auftritte in Deutschland. Ein weiterer Glücksgriff war der Kontakt zu Günter Pauler von Stockfisch. Mit der dort produzierten CD „Army Of Angels“ (unter Mitwirkung von Chris Jones, einem weiteren namhaften Gitarristen; Anm. d. Autors) konnte ich mir in Deutschland einen Namen machen. Und nachdem ich mit Joachim Fischer die geeignete Agentur gefunden hatte, schloss sich der Kreis von Big Apple nach Deutschland. Konzerte in Europa sind im Gegensatz zur New Yorker Szene halt zum Glück grundverschieden: In den großen Städten Amerikas treten bekanntlich jeden Abend 200-300 angeblich bekannte Künstler und Gruppen auf. Da schert es keine Sau, wer sich da eigentlich auf der Bühne abzappelt.

Klingt wie ... sieht aus wie...Schublade auf, Schublade zu. Gerade in der umfangreichen Singer/Songwriter-Szene sind wir doch schnell geneigt, Vergleiche anzustellen, einen Künstler in die für ihn vorgesehene Linie all derer einzureihen, die sich mit Gitarre bewaffnet, allabendlich rund um den Globus ihren mehr oder minder kritischen Zuhörern stellen. Dieses Spiel, von Veranstaltern, Agenturen und Publikum gleichermaßen geliebt und geschätzt, geht im vorliegenden Falle erfrischenderweise nicht auf. Beschreibe doch bitte deinen Stil etwas. Ich habe im Konzert zum Teil etwas lange Gesichter in den Reihen der klassischen Folkfans gesehen, Fußwippen andererseits bei den Jazz- und Blues-Anhängern.

Diese Reaktion verstehe ich. Meine Musik ist ja auch kein Folk im musikalischen Sinne. Wenn du mit Folk dagegen diese persönliche Atmosphäre und den Gebrauch einer Gitarre meinst, dann kann man es natürlich so bezeichnen. Ich tue mich da selbst schwer. Du kannst mich weder in die Schublade der Pop-Musiker stecken noch in die Jazz-Schublade. Und, wie gesagt, schon gar nicht die Folk-Schublade. Sagen wir mal eher von jedem etwas. Eine einzige Richtung würde mich kompositorisch wohl auch zu Tode langweilen. Musik muss spannend sein. Jazz-Akkorde und unterschiedliche Rhythmen sind eher mein Stil als vorausschaubar-langweilige Folksongs. Da kann es auch schon mal sein, dass ich von Konzert zu Konzert Griffe und Tempi variiere. Damit es für mich nicht ständig gleich klingt. Das gilt auch für die komplette allabendliche Setliste. Immer unterschiedliche Songs. Nur die Erzählungen zu den Songs lassen sich nicht abändern, das sind ja meine eigenen Erlebnisse. Wenn ich mich über meine eigenen Songs auf der Bühne langweile, tut dies das Publikum doch auch unweigerlich. Von dieser Sorte Musiker kennt man doch massenhaft. Hör dir solche Aufnahmen mal daheim auf CD an. Langeweile pur!


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