backThere's no business like ...

... Folk-Business

Der Folker! startet eine neue Serie

Das Business sind eigentlich die anderen. Die großen Plattenfirmen (Majors), die sich für Folkmusik eh nicht interessieren; die Fachmarkt-Ketten, die CDs eigentlich nur als Lockmittel fürs Publikum verkaufen usw. ... Von "Folk-Business" spricht kaum jemand. Man redet lieber von der "Folk-Szene". Das klingt eher nach Underground oder großer Familie.

Dabei gibt es natürlich auch in unserer Szene jede Menge Menschen, die von Musik leben - oder dies zumindest versuchen. Und wenn man es so neutral ausdrückt, hat wohl auch niemand etwas dagegen.

Dennoch ist die Folk-Bewegung eine eher anti-kommerzielle Bewegung, die schnell etwas übel nimmt: Wenn das Konzert zu teuer ist, zu viele Leute auf ein Festival kommen, wenn KünstlerInnen bei der falschen Plattenfirma unterschreiben. Aus dem legitimen Geldverdienen wird dann rasch die verabscheute "Geldmacherei".

In solchen Reaktionen zeigt sich auch heute noch, dass Folk lange Zeit eine "linke" Musik gewesen ist. Von den amerikanischen Protestsongs, über die Alternativbewegung in Westeuropa bis hin zu den Regionalisten, die sich in den 70er Jahren noch unwidersprochen als "Antiimperialisten" bezeichnen konnten.

Heute ist der politische Bezug von Folkmusik allerdings weitgehend verloren gegangen. Sicher sind die meisten MusikerInnen und AktivistInnen humanistisch gesinnte Menschen - der kollektive Bezug zu politischen Bewegungen fehlt aber weitgehend.

Was blieb, ist vor allem eine kommerzkritische Attitüde bei einem großen Teil des Publikums - und die macht es nicht zuletzt den geschäftlich engagierten Mitgliedern der eigenen Szene schwer. Denn wo beginnt die "Geldmacherei", wo ist die Grenze, die das "anständige" Geschäft vom "unanständigen" trennt?

Auch ganz normale Interessenskonflikte zwischen Profis werden schnell in diesen Kontext eingeordnet. Wer den Konkurrenten oder (ehemaligen) Geschäftspartner als "Kommerzfirma" abtut, versucht gerade die anti-kommerziellen Vorurteile des Publikums für sich zu nutzen.

Mit der geplanten Serie über das "Folk-Business" will der Folker! nicht anprangern, sondern etwas Transparenz und auch Verständnis schaffen. Verständnis für die (oft schwierige) Situation derjenigen, die mit Folk-Musik ihren Lebensunterhalt bestreiten und natürlich auch nicht nur von der Hand in den Mund leben wollen. (Dass es - wie überall - auch "schwarze Schafe" gibt, wird aber auch zur Sprache kommen.)

In etwa neun Folgen wird jeweils auf ein bestimmtes Marktsegment eingegangen. Vorgesehen sind derzeit folgende Aspekte:

Schon diese Aufzählung zeigt, dass das Folk-Business ziemlich arbeitsteilig ausgestaltet ist - auch wenn manche MusikerInnen natürlich noch (oder wieder) ihre eigene Plattenfirma und Booking-Agentur sind.

Unsere Serie soll am Ende kein Handbuch für BerufseinsteigerInnen ergeben. Es geht also nicht um Tipps à la "Wie komme ich am besten an einen Plattenvertrag?". Wenn sie aber etwas zum gegenseitigen Verständnis zwischen Publikum und Professionellen und auch innerhalb des Business beiträgt, wäre auch das wohl nicht ohne "Nutzwert".

Der Autor, Christian Rath, lebt in Freiburg und ist "kommerzieller" Journalist. Allerdings schreibt er meist nicht über Folkmusik, sondern über Rechtspolitik (in der taz und einigen Regionalzeitungen). Wenn jemand etwas zu dieser Serie beitragen will, vor allem persönliche Erfahrungen, würde er sich über eine Kontaktaufnahme freuen (E-Mail ch-rath@t-online.de).

Die einzelnen Folgen werden ungefähr in jedem zweiten Folker! erscheinen. Start ist in Nummer 4/2001.

Die Redaktion


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Freut Euch auf den Folker! 4/2001